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Wir waren die letzten Einwohner von Grünhaus PDF Drucken E-Mail
Samstag, 24. November 2007

Lausitzer Rundschau, 24.11.2007



Wir waren die letzten Einwohner von Grünhaus


Ich konnte es kaum fassen, als ich am Sonnabend in der Zeitung ein Foto entdeckte, das viele Kindheitserinnerungen in mir weckte. Ich durfte elf Jahre in diesem Haus erleben. Das Bild zeigt das ehemalige Forstsekretärsgebäude der königlichen Oberförsterei Grünhaus in seinem ursprünglichem Zustand.

Im Jahr 1964 zogen wir, meine Eltern, mein Bruder und ich, aus Kasel-Golzig in diese ehemalige idyllische Landschaft. Mein Vater, Otto Herold, wurde Revierförster des Forstreviers Grünhaus, meine Mutter, Christa Herold, betreute die Putenstation des Staatlichen Forstwirtschaftsbetriebes Finsterwalde und später auch die Poststelle des Ortes. Und wir zwei Brüder, Reinhard und Gisbert, besuchten die Schule in Grünewalde. Der Ort Grünhaus war geprägt von umgebenden Nadel- und Laubwäldern, von alten Fachwerkhäusern, von der Ruine der Oberförsterei, vom angrenzenden Park mit seiner, für uns Kinder, mächtigen Erhebung an der Parkmauer, von den Stallungen der Oberförsterei mit seinem alten Backhaus, vom Gebäude des Kutschers, vom Gebäude des «Auerhahns» und nicht zuletzt von den Gebäuden der Bergarbeiter, welche in den letzten Jahren das Bild der Landschaft prägten. Ich kann meinen Kindern meine Heimat nicht mehr zeigen. Im Oktober 1975 waren wir die letzten Bewohner dieses kleinen Ortsteiles von Finsterwalde, bevor er der Tagebaubrücke zum Opfer fiel. Ich erinnere mich noch genau an das ohrenbetäubende Quietschen der nahenden Tagebaugeräte.
Abschließend zum Bild: Auf der rechten Seite grenzte das Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr des Ortes an, in dessen Gebälk sich in den Sommermonaten auch Hornissen heimisch fühlten. Am rechten Bildrand, direkt neben der Einfahrt zum Grundstück, stand eine alte Esche, im Hintergrund, d. h. auf dem Hof, standen zwei alte Linden, und auf der linken Bildhälfe wurde das Gebäude von zwei alten Birken eingegrenzt. Ich könnte noch viel über meine Erinnerungen berichten, über die alten, so herzensguten Rentner Herrn Schwarze und Herrn Bergmann aus Grünewalde (letzterer von den Blaubeersuchern stets gefürchtet), von der alten Feuerturmwächterin Frau Hünlich aus Staupitz, vom Scheunenbrand und seinen Ermittlungen, vom jährlichen, aufs neue stets gefürchteten Jolkafest, von dem Sprengstoffexperimenten mit den Schulfreunden, vom Auerhahn im Hundezwinger, vom kleinem Rehbock Seppel, von meinem alten Kumpel Harald, von den Forstlehrlingen (Herrn Marosky, Weiser und Sohl), welche ich bis heute, in einer sehr guten Erinnerung habe (mit allen Streichen).

Gisbert Herold, Doberlug-Kirchhain

 
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