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Umweltminister wünscht sich einen schnellen CCS-Start PDF Drucken E-Mail
Montag, 14. April 2008

Lausitzer Rundschau, 15.04.2008

Wöller will Rauchgasabscheider-Technologie auch ins Ausland tragen

Umweltminister wünscht sich einen schnellen CCS-Start

Boxberg  Zum ersten Mal in seiner Amtszeit als Umweltminister des Landes Sachsen besuchte Prof. Roland Wöller (CDU) gestern das Braunkohle-Kraftwerk Boxberg der Vattenfall Europe Mining & Generation AG. Vor Ort wollte er sich vor allem über den technischen Stand der Rauchgasentschwefelung informieren.

 

 

Bei einem ausführlichen Rundgang in Begleitung von Kraftwerksleiter Wolfgang Beyer, Vattenfall-Vorstandssprecher Reinhardt Hassa und Vattenfall-Vorstand Hartmuth Zeiß bekam der Minister einen Einblick in den Kraftwerksbetrieb, besuchte die Turbinenhalle, den mit modernster Technik ausgestatteten Leitstand der Blockwarte, das Kesselhaus und die Rauchgas entschwefelungsanlage und blickte schließlich aus 154 Meter Höhe vom Kesselhausdach bei klarem Wetter über das Sächsische und Brandenburger Land.

Wöller sah seinen Besuch selbst auch als ein Signal dafür, dass die Sächsische Landesregierung die Braunkohle nach wie vor als wesentlichen Teil des Energiemixes einschätze und daran festhalte. «Braunkohle ist aus meiner Sicht alternativlos, und wir werden noch auf geraume Zeit darauf angewiesen sein, vor allem auch deshalb, weil sie subventionsfrei ist» , meinte Wöller. Das bedeute in der Konsequenz folglich auch, dass die Landesregierung zur zur Fortführung des Tagebaus Nochten stehe.

Dabei sehe er als Umweltminister sehr wohl das Problem des CO 2 -Ausstoßes. Dieses sei allerdings gerade bei Kraftwerken wie diesem mit relativ geringem Aufwand sehr gut zu minimieren. Deshalb setze er große Hoffnungen in die neue CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage), bei der das CO 2 abgetrennt und unterirdisch eingelagert wird. «Es kommt darauf an, dass dies so schnell wie möglich Stand der Technik wird. Ich würde es als Umweltminister begrüßen, wenn CCS noch vor 2012 an den Start kommt.»

Für die Kraftwerksbetreiber bedeutet CCS allerdings nach eigenen Aussagen, dass mit einem Wirkungsgradverlust von mindestens zehn Prozent zu rechnen ist. Wöller aber ist zuversichtlich: «Ich weiß, dass der wissenschaftliche Fortschritt weitergeht und der Verlust in ein paar Jahren vielleicht nur bei sechs Prozent liegt.»

Er sei im übrigen auch daran interessiert, dass innovative Technologien wie CCS im Ausland bekannt und nachgenutzt werden könnten, erklärte der Umweltminister, der unter anderem mit dieser Absicht im kommenden Jahr in die USA, nach Mittel- und Lateinamerika reisen will: «Klimaschutz ist schließlich eine globale und öffentliche Angelegenheit. Wir dürfen die Technologien dafür nicht nur hier anwenden, sondern müssen sie auch in Transformations- und Schwellenländer tragen.»

Roland Wöllers Maxime, dass sich Wirtschaft und Umwelt nicht ausschließen müssen, praktizierte er gestern nicht nur vor Ort mit seinem Besuch in Boxberg. Auch im Regierungskabinett hat er sich gerade mit Wirtschaftminister Thomas Jurk (SPD) einen Partner gesucht. Gemeinsam arbeiten beide Ministerien an einem Klimaentwicklungsprogramm, das Ende des Monats im Kabinett eingereicht und voraussichtlich im Juni dort behandelt werden soll.

Der Vattenfall-Vorstandssprecher Reinhardt Hassa zeigte sich gestern erfreut über das Interesse und die gute Kooperation mit der Sächsischen Landesregierung, die sie mit dem Bergbauunternehmen seit mittlerweile 18 Jahren praktiziere. «Wir wollen unseren Beitrag leisten mit Innovationen und technischen Entwicklungen und auch bei der Beflügelung der Wirtschaft. Unser hier neu entstehender Block R ist der Beweis dafür» , sagte Hassa. Es gehe dabei letztlich nicht um die Interessen eines Unternehmens, sondern um die Prosperität und die Wirtschaft einer ganzen Region.

Von Thoralf Schirmer

 
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