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Lausitzer Rundschau, 11.06.2008 Einwohnerversammlung offenbart viele Fragen und Emotionen Heiße Diskussion um neue Tagebaue in Graustein Spremberg. Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Turnhalle in Graustein bei der Bürgerversammlung zu den neuen Tagebauen am Montagabend. Gekommen waren Einwohner aus Graustein, Schönheide, Lieskau, Türkendorf und Spremberg. Konkrete Informationen, wie sie sich die Menschen gewünscht hätten, gab es jedoch nicht von den Referenten Gerd Klocek von Vattenfall, Klaus-Otto Weymanns und Rüdiger Geffers von der Landesplanung Berlin-Brandenburg. Dagegen wurde schnell deutlich, dass die Betroffenen nicht mit einem Tagebau vor der Haustür leben wollen.
Es gab wenig konkrete Informationen an diesem Abend. Die könne es zum jetzigen Zeitpunkt auch noch nicht geben, da die Planung für die Tagebaue Spremberg-Ost und Bagenz-Ost erst im Jahr 2015 zur Genehmigung gebracht werden sollen, erklärte Geffers. Die Referenten holten weit aus, erläuterten wie viel Braunkohle wo gefördert wird, was alles zur Braunkohleplanung gehört und wie das Genehmigungsverfahren abläuft. Angesichts dieser Unkonkretheit verließen einige Besucher bereits nach kurzer Zeit die Veranstaltung. Doch soviel wurde an diesem Abend deutlich, Graustein würde direkt an der Tagebaugrenze liegen. Wie weit entfernt, konnte trotz Nachfrage nicht gesagt werden. Wie sehr das Thema die Menschen bewegt, war unverkennbar. „Der Lebensraum geht hier unwiderruflich verloren, schaut euch doch nur die Karten an. Wir leben hier wie im Schweizer Käse, ringsherum nur Tagebaulöcher. Türkendorf-Ausbau kommt wegen des Braunkohleabbaus komplett weg“, erklärte Wolfgang Jaekel (parteilos), Ortsbürgermeister von Türkendorf. „Wir haben hier gearbeitet, damit wir im Alter etwas haben. 1995 habe ich einen Kastanienbaum auf meinem Grundstück gepflanzt, unter dem wollte ich noch mit 90 Jahren sitzen und mein Bier trinken. Wenn das Grundwasser abgesenkt wird, ist hier alles trocken“, sagte Steffen Schmalenberg, der auch erklärte, dass die Kinder alle wegziehen würden, wenn der Tagebau komme. Daraufhin entgegnete Bürgermeister Dr. Klaus-Peter Schulze (CDU): „Ohne die Kohle gebe es hier kaum Arbeit und es würden noch mehr Leute wegziehen.“ Er erklärte, dass er sich für die Kohle einsetze. Das war das Stichwort für Gerd Klocek vom Bergbauunternehmen: „Wir stellen bevorzugt Arbeitskräfte aus den Gemeinden am Tagebaurand und den Umsiedlergemeinden ein.“ Einige Grausteiner wollten erfahren haben, dass bereits im vergangenen Jahr mit der Grundwasserabsenkung begonnen worden sei. „Wenn sie durch eine Grundwasserabsenkung einen Schaden am Grundstück bekommen, reguliert das die Bergschadensabteilung“, informierte Klocek. Und der Bürgermeister ergänzte: „Wir werden nicht warten bis hier die Bäume vertrocknet sind. Es gibt Messpunkte, an denen wir die Entwicklung der Grundwasserabsenkung genau beobachten können.“
Gesetzesregelung für Tagebau-Dörfer Der Lieskauer Ortsbürgermeister Harry Krause (parteilos) wollte wissen, ob es eine gesetzliche Regelung für Orte gebe, die sich direkt am Tagebaurand befinden. „Dies ist nicht gesetzlich geregelt“, erklärte Rüdiger Geffers. Dennoch sei der Braunkohlenplan nicht nur ein Stück Papier, „denn die Ziele, die dort festgeschrieben sind, haben auch Rechtscharakter“. „Warum siedelt man denn Graustein nicht gleich ganz um“, wollte Herbert Urbanz wissen. „Ich bin schon einmal umgesiedelt worden, als damals der Tagebau Welzow-Süd kam.“ Doch genau das, solle vermieden werden, betonte Klocek. „Das ist aber sehr kurzsichtig und bequem“, entgegnete Urbanz. Man solle doch die Grausteiner und die anderen betroffenen Orte gleich entschädigen. „Heute habe ich noch die Chance, anderswo neu anzufangen, im hohen Alter geht das nicht mehr“, sagte auch Steffen Schmalenberg.
Spremberg strebt Vattenfall-Vertrag an Ein ganz anderes Problem treibt den Grausteiner Ortsbürgermeister Hans-Jürgen Schubert (parteilos) um: „Wir werden den Tagebau nicht aufhalten. Was wir aber verlangen, ist dass bereits jetzt mit einem Grünschutzgürtel begonnen wird. Wir haben hier im Jahr bis zu 70 Prozent West-Wind. Ich weiß, was das bedeutet. Meine Schwiegereltern haben damals in Wolkenberg gewohnt.“ Mit den Schutzvorkehrungen müsse bereits jetzt begonnen werden, forderte auch Bürgermeister Schulze. Die Stadt Spremberg strebe zudem einen Vertrag mit Vattenfall an, wie es ihn bereits in Welzow gibt, so Schulze.  | | Hintergrund Nächste Diskussion | | Eine weitere Einwohnerversammlung für die von den neuen Tagebauen Bagenz-Ost und Spremberg-Ost betroffenen Ortsteile von Spremberg findet dem Rathaus zufolge am Mittwoch, 18. Juni, um 17 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus in Haidemühl statt. Eingeladen seien Einwohner aus Türkendorf , Groß Luja und Weskow . |
Von André Kurtas |