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Geteilte Meinung über Komplettumsiedlung in Welzow PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 12. Juni 2008

Lausitzer Rundschau, 12.06.2008 

Kaum klare Positionen bei politischen Fraktionen der Stadt

Geteilte Meinung über Komplettumsiedlung in Welzow

 

Welzow.   Die politischen Fraktionen in Welzow haben ihre Meinungsfindung zum Thema Komplettumsiedlung noch nicht abgeschlossen. Lediglich die Bürgerinitiative Zukunft Welzow bezieht bereits eine klare Position – gegen den Vorschlag, den eine Bürgergruppe mit 353 Unterschriften vor drei Wochen erstmals auf die Tagesordnung des Stadtparlamentes gebracht hatte.

«Die Bürgerinitiative ist der Auffassung, dass die Komplettumsiedlung keine Alternative ist» , betont Joachim Diener. Im Gegenteil, Zukunft Welzow werde sich dafür einsetzen, um weitere Umsiedlungen zu verhindern. «Es soll keine bergbaubedingten Wegzüge mehr geben. Und wenn, dann nur innerhalb der Stadt» , erklärt Diener. Dabei sollte die Kreisgrenze keine Rolle spielen. «Wir sind uns der engen Gemarkungsgrenzen sehr wohl bewusst» , fügt er an. In diese Richtung gebe es bereits erste zaghafte Schritte beispielsweise mit der Einschulung von Neupetershainer Kindern in Welzow. Auch gebe es eine gemeinsame Abwasserlösung, so dass Neu pe ters hain sein Schmutzwasser über eine gemeinsame Leitung nach Großräschen ableiten kann (die RUNDSCHAU berichtete). An diesem Punkt müsse weiter gearbeitet werden. Zudem setze die Fraktion der Bürgerinitiative auf ein objektives Planverfahren. «Wir sehen das als Chance» , sagt Diener. Der fortschreitende Bergbau müsse mit einem Strukturwandel in Welzow einhergehen.
Zerrissen zeigt sich dagegen die CDU-Fraktion. Ihr Vorsitzender Joachim Rackel erklärt: «Wir sind in diesem Punkt geteilter Meinung.» Angesichts des fortschreitenden Tagebaus und Ausblutens der Stadt kämen einige CDU-Mitglieder ins Grübeln. Es herrsche große Unsicherheit. «Die jungen Leute gehen weg und sollten wirklich 1260 Menschen umgesiedelt werden, dann bleibt ja nur noch ein Zipfel von der Stadt übrig» , sagt Rackel. Er selbst sei tief verwurzelt in der Stadt. «Schließlich sind meine Urgroßeltern hier beerdigt» , erklärt er. Trotzdem habe auch er sich zum Thema Komplettumsiedlung noch keine abschließende Meinung gebildet.

Im Zwiespalt gefangen
Genauso geht es auch Kerstin Müller (Linke). «Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust» , sagt sie. Sie treiben ähnliche Gedanken wie Joachim Rackel um. Zum einen sei sie mit ihrer Familie in der Stadt verwurzelt und «Welzow hat seine Daseinsberechtigung» . Und in ihrer politischen Arbeit als Stadtverordnete habe sie immer nach bestem Gewissen gehandelt, um Gutes für Welzow zu bewirken. Doch zum anderen sei bereits eines ihrer Kinder wegen der Arbeit weggezogen. Sie als ehemalige Lehrerin in Welzow müsse seit der Schließung der Puschkinschule in Cottbus arbeiten. «Es gibt immer weniger junge Leute in der Stadt, es bleiben nur die Alten» , sagt Kerstin Müller. Angesichts dieses Zwiespaltes erklärt sie: «Ich bin noch nicht fertig mit der Meinungsfindung. Ich kann noch keine Position beziehen.» Auch mit ihrer Fraktionskollegin Gudrun Jentsch habe sie sich zu diesem Thema noch nicht verständigt.

Warten auf Vattenfall-Aussage
Der Vorsitzende der SPD-Fraktion Wilfried Roick hält den Vorstoß der Komplettumsiedlung eigenen Angaben zufolge für voreilig. Die Fraktion sei zwar noch zu keiner gemeinsamen Meinung gekommen, doch er spreche sicherlich nicht nur für sich, wenn es darum geht, dass Umsiedlungen verhindert werden müssen. «Wir wollen nicht, dass der Wohnbezirk fünf wegen des Tagebaus verschwinden muss» , erklärt er. Seiner Ansicht nach muss sich zunächst das Bergbauunternehmen Vattenfall zu dem Thema äußern. «Es steht doch die Frage im Raum, ob eine Umsiedlung der ganzen Stadt überhaupt wirtschaftlich ist» , erklärt Roick. Darüber hinaus ärgerten ihn auch die Argumente der Umsiedlungs-Befürworter, die seiner Auffassung zufolge falsch argumentieren und in ihrer Darstellung suggerierten, dass Welzow zur einsamen Insel im Tagebau werde. «Das ist mir zu sehr auf Polemik aus. Denn wie schnell sich die alten Kippen wieder in ein Naturparadies verwandeln, kann man in Spremberg sehr gut beobachten» , sagt Wilfried Roick.

Von Peggy Kompalla

 
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