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120 Spremberger äußern ihre Sorgen PDF Drucken E-Mail
Freitag, 20. Juni 2008

Lausitzer Rundschau, 21.06.2008

120 Spremberger äußern ihre Sorgen

Offene Fragen bei Tagebaudiskussion

Bis auf den letzten Platz besetzt war das Haidemühler Dorfgemeinschaftshaus während einer Einwohnerversammlung zu den neuen Tagebauen am Mittwochabend. 120 Menschen aus Türkendorf, Groß Luja, Weskow und Bagenz waren gekommen, um sich über die Pläne des Bergbauunternehmens Vattenfall zu informieren und ihre Sorgen zu äußern. Doch konkrete Aussagen, wie sie sich die Einwohner wünschten, gab es an diesem Abend kaum.

Sellessens Ortsbürgermeister Hardy Kordian (SPD) erklärte: „Wir Anwohner am Rande des Tagebaus haben keine Lobby. Für uns setzt sich keiner ein, wenn wir es nicht selbst tun. Die Grundstückspreise gehen zurück, wir sind in unserer Lebensqualität eingeschränkt.“ Für diese Belastungen forderte er einen Ausgleich. „Wie wäre es mit Deputat von Wasser, Holz, Kohle und Elektroenergie, die von Vattenfall an die Bürger weitergereicht werden“, sagte er. Das müsse auch vertraglich festgeschrieben werden.

Klocek, Leiter der Tagebauplanung bei Vattenfall, darauf nicht geben. „Viele Dinge können wir heute so konkret noch nicht beantworten, es ist ein Prozess über Jahrzehnte. Doch unsere Unternehmensphilosophie ist immer, sozialverträglich umzusiedeln beziehungsweise akzeptable Lösungen für die Bürger am Tagebaurand zu finden“, sagte er.
Rainer Lehmann aus Bagenz-Ausbau sorgt sich um seine Existenz. „Die Gehöfte, die außerhalb der Gemeinde liegen, können von der Umsiedlung betroffen sein. Wie lange darf ich denn dort noch bauen?“, wollte er wissen. Darauf erwiderte Klocek: „Sie dürfen bis zum letzten Tag bauen. Das Grundstück wird im entsprechenden Wert entschädigt, sollte es wirklich zur Umsiedlung kommen.“ Darauf will Ortsbürgermeister Wolfgang Jaekel (parteilos) aus Türkendorf nicht erst warten: „Warum siedeln sie nicht gleich um, damit wir dann eine entsprechende Lebensqualität haben.“ Zudem verlangte er, dass bereits jetzt mit der Anpflanzung eines Grünschutzgürtel begonnen werde, „wenn sich unser Ort wirklich einmal am Tagebaurand befinden sollte“.
Gert Klocek zeigte Verständnis für den Wunsch der Einwohner nach Konkretem, betonte aber auch: „Ich muss immer wieder sagen, wir reden jetzt von einem Genehmigungsverfahren, dass sich in der Zeit ab dem Jahr 2015 bewegen wird.“ Ihm sei klar, das der Aufschluss neuer Tagebaue Konfliktstoff in sich berge, „denn Probleme um Lärm, Staub und Grundwasser bleiben nicht aus“. Aus diesem Grund fänden die Einwohnerversammlungen statt. „Wir wollen mit den betroffenen Randgemeinden gemeinsam nach sozialverträglichen Lösungen suchen“, erklärte er.
Für die geplanten Tagebaufelder Spremberg-Ost und Bagenz-Ost sollen zwar nach einer Studie der Technischen Universität Clausthal keine Siedlungen in Anspruch genommen werden. Die Stadt Spremberg mit den Wohngebieten Slamen, Slamen-Ziegelei und Georgenberg sowie mit den Ortsteilen Groß Luja, Türkendorf, Graustein, Schönheide, Lieskau, Weskow und Bagenz müsste aber in direkter Nachbarschaft mit dem Tagebau leben. Für beide Braunkohlefelder will Vattenfall im Jahr 2015 ein Braunkohleplanverfahren beantragen.

Von Martina Arlt

 

 
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