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Vattenfall will Fluß verlegen PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 10. Juli 2008

Lausitzer Rundschau, 10.07.2008

Vattenfall informiert Rietschener Gemeinderat über Flussverlegung

Ein neues Bett für den Weißen Schöps

Das alte Flussbett des Weißen Schöps’ gibt es schon lange nicht mehr. Dort, wo sich der Fluss einst entlangschlängelte, befindet sich heute der Tagebau Reichwalde. Für den Kohleabbau machte der Fluss Platz, «wanderte» in den Norden. Nun bekommt der Fluss zum zweiten Mal ein neues Bett gemacht – südlich des Altlaufes in der Gemarkung Rietschen. In der jüngsten Ratssitzung informierte das Bergbauunternehmen Vattenfall erstmals öffentlich über das Vorhaben.

Zwischen Werda und Hammerstadt soll der Altlauf des Weißen Schöpses ertüchtigt werden. Daran schließt sich über Neuliebel und Nappatsch ein großes Neubaustück an. Danach mündet der Fluss in einen schon bereits 1990 verlegten Kanal. Dieser soll nach derzeitigen Vorstellungen Vattenfalls naturnah umgebaut werden. Insgesamt wird dieses Vorhaben einen zweistelligen Millionenbeitrag kosten.

«Wir können die alte Planung nicht aus der Schublade ziehen, obwohl diese ja Bestandsschutz hätte, aber wir haben neues Recht» , erläuterte Ingolf Arnold, Leiter Geotechnik bei Vattenfall, den Rietschener Gemeinderäten. Ganz offiziell wird es zum Vorhaben Umverlegung Weißer Schöps ein Planfeststellungsverfahren geben. «Das ist genauso als würden wir eine Autobahn oder einen Flughafen bauen. Mit dem Verfahren, das bis auf jeden Grundstückseigentümer runtergebrochen wird, wollen wir die Rechtsgrundlage für unser Vorhaben schaffen» , so Arnold weiter. Dieser Tage wird das Regierungspräsidium Dresden vom Vorhaben Flussverlegung offiziell unterrichtet. Für September rechnet Arnold mit dem so genannten Scopingtermin, dann sind alle Fachbehörden mit vor Ort. «Mitte 2009 wollen wir dann die Antragsunterlagen einreichen» , so Arnold. Dann werde auch die Gemeinde Rietschen mehrere dicke Ordner erhalten, die in der Verwaltung ausgelegt werden.


Konfliktpotenzial entschärfen

Mit dem nun erfolgten Schritt in die Öffentlichkeit wolle das Bergbauunternehmen sozusagen die Antennen ausstrecken, um so zeitig wie möglich Konfliktpotenzial zu entdecken und auch möglicherweise zu entschärfen, so Arnold. Bürgermeister Eberhardt Meier (Freie Wähler) unterstrich das noch einmal: «Wir wollen so zeitig wie möglich Hinweise sammeln.» Und der Amtschef legte selbst den Finger auf das größte Problem. Denn für die Gemeinde ist es wichtig, dass das neue Bett des Weißen Schöps’ auch für schlimme Hochwasser ausgelegt ist.

«Wir gehen davon aus, dass sich der Hochwasserschutz gravierend verbessern wird» , so Meier. Denn, auch wenn das letzte schlimme Hochwasser von 1981 lange her ist, die Erinnerung daran war in der Ratssitzung sofort präsent. So forderte Bauamtsleiter Ralf Brehmer, dass auch die in den Schöps fließende Raklitza in die (Hochwasser-)Betrachtung einbezogen werden müsse. Dr. Michael Kummer von der Dresdener Ingenieur-Consult GmbH verwies darauf, dass ein großes Untersuchungsgebiet eingezogen werde, um nachzuweisen, dass Alternativen geprüft seien und die vorgesehene Umverlegung auch einem 100-jährigen Hochwasser gerecht werde. Zudem lege das Regierungspräsidium den Untersuchungsrahmen fest.


Frage nach Hochwasser

Nicht nur in Sachen Hochwasser erwarten die Rietschener Antworten. Gemeinderat Kurt John wollte etwa wissen, wie es um Rückstaumöglichkeiten stünde, um in trockenen Zeiten das Wasser zu halten. Denn schließlich bräuchten Land- und Fischwirtschaft stabile Wasserverhältnisse. Kummer sicherte zu, dass auch dies zum Untersuchungsrahmen gehöre.

Im Herbst, so sicherte Ingolf Arnold zu, will Vattenfall in einer Einwohnerversammlung zum Vorhaben Umverlegung Weißer Schöps in Rietschen informieren.

Bis zum Beginn der Maßnahme werde dies nicht die letzte Versammlung bleiben.

Zum Thema 2014 beendet
  • Die Realisierung des Vorhabens soll im Zeitraum 2013 bis 2014 geschehen. Erste Maßnahmen könnten bereits ab 2010 erfolgen.
  • sollen Träger öffentlicher Belange am Verfahren beteiligt werden. In dieser Zeit beginnt auch die Detailplanung für das Vorhaben.
  • Nach Rietschen wird heute Abend der Boxberger Gemeinderat (19 Uhr, Sitzungsaal Gemeindeverwaltung) informiert. Dort dürfte laut Arnold vor allem der Hochwasserschutz im Bereich Kringelsdorf von Interesse sein.
  • In drei Bauabschnitten war der Weiße Schöps von 1977 bis 1991 verlegt worden. Damals war durch den Tagebau Reichwalde der Fortgang ins Abbaufeld Neuliebel-Rietschen vorgesehen gewesen.
  • Seit Oktober 1999 ruht der Tagebau Reichwalde . Er soll 2010 wieder aufgeschlossen werden. Deshalb ist die Flussverlegung notwendig.
  • Der Weiße Schöps, sorbisch Bely fiepc, ist ein östlicher Zufluss des Schwarzen Schöps’ und gehört zum Flusssystem der Elbe. Laut wikipedia entspringt der Fluss im Norden des Großen Nonnenwalds, der sich etwa 15 Kilometer west-südwestlich von Görlitz erstreckt.
 
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