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Neue Tagebaue in Polen? PDF Drucken E-Mail
Montag, 11. August 2008

Lausitzer Rundschau, 12.08.2008

Was Bürger aus dem Spree-Neiße-Kreis und aus Gubin Land dazu meinen

Kohleflöze östlich Gubens im Gespräch

Unter der Erde zwischen Gubin und Brody (Pförten) sollen schätzungsweise mehr als 200 Millionen Tonnen Braunkohle liegen. Die Tagebauerschließung durch den Braunkohlentagebau Konin wird dort mit zunächst 39 Bohrungen in 189 Metern Tiefe vorbereitet. Das schreibt die «Gazeta Lubuska» . Diese Zeitung wie auch die Gubener RUNDSCHAU fragten Bürger nach ihrer Meinung zu den Abbauplänen.

Helga Neubauer (76) aus Guben sagt, dass «wir ja auf jeden Fall die Energie brauchen» . Auf der anderen Seite werde viel Natur zerstört, das sei eher negativ.

Werner Moheit (66) aus Guben meint, dass man das Ganze sowieso nicht beeinflussen könne. Wenn die polnische Regierung etwas beschließe, so Moheit, werde sich Deutschland darum nicht kümmern.
Günther Kaschube , der in der Region um das ehemalige Schenkendorf (heute Sekowice) geboren wurde, sagt, dass die Gegend jenseits der Neiße, die für den Tagebau vorgesehen sei, nicht zu vergleichen ist mit beispielsweise Atterwasch oder Kerkwitz. Dort seien sowieso eher kümmerlicher Wald und trostlose Gegend. Er sei ab und zu dort unterwegs und kenne deshalb die Region.
Bettina Domann aus Peitz hat das Kraftwerk Jänschwalde direkt vor der Nase. Trotzdem finde sie, dass die Umweltbelastungen früher viel schlimmer gewesen seien, schließlich seien heutzutage viele Auflagen zum Umweltschutz zu erfüllen. Andererseits findet sie es beängstigend, wenn Gemeinden einfach weggebaggert werden.
Sein Sohn arbeitet bei Vattenfall. Deshalb befindet sich der Gubener Helmut Richter etwas im Zwiespalt. Er denke beim Kohleabbau - ob diesseits oder jenseits der Neiße – auch an Kinder und Enkel, die einerseits Arbeit hätten, andererseits aber nicht viel Natur rundherum. «Einerseits brauchen wir alle den Strom, und er muss irgendwo herkommen» , so Helmut Richter. Doch manchmal habe er das Gefühl, dass an die Leute in der Stadt niemand denke, immerhin seien gerade die Gubener dann wie eingekesselt.
Ruth Zakrzewski (59) aus Bresinchen meint, dass die Wohnqualität auf beiden Seiten der Neiße durch einen Tagebauaufschluss zwischen Gubin und Brody negativ beeinflusst werde. Der Erholungseffekt, den man heute noch in den Wäldern und an den Seen habe, würde eingeschränkt.
Heidrun Birkhold (54) aus Bresinchen ergänzt, dass der Tagebau die schöne Landschaft kaputt machen und auf kurz oder lang der Grundwasserspiegel sinken werde. Und sie befürchtet, dass so viele Radtouristen wie derzeit später in Guben und Gubin nicht mehr zu erleben sein werden.
In der Gemeinde Gubin-Land wurde die Tagebauidee nach dem Treffen der Vertreter des Tagebaus Kolin und des Gemeindeparlaments akzeptiert. Bürgermeister Edward Aksamitowski glaubt, dass die Rechte der Gemeinde geschützt werden.

Keinen Tagebau will der Gemeindechef von Brody, Zbigniew Wilkowiecki, auf seinem Gebiet sehen. Seiner Meinung nach wird diese Investition die Aussiedlung einiger Dörfer, den Verlust der fruchtbaren Böden und die Vernichtung eines großen Trinkwasservorkommens verursachen. Außerdem werde sich die Wasserwirtschaft in der Region verändern.
Die lokale Wasserwirtschaft leide schon unter den Tagebauen auf dem westlichen Neißeufer. „In einigen Jahren fahren die Bagger weg, uns bleibt die Mondlandschaft.“
Die Ökologen glauben nicht an die Regeneration der zerstörten Gebiete. Auf die deutschen Erfahrungen weist Andrzej Jermaczek aus der Lubusker Organisation der Naturfreunde hin. Als Beispiel nennt er die Zittauer Region, wo die Förderung beendet wurde. Man solle sich überlegen, ob es sich lohne, die Umwelt für den Tagebau zu zerstören, aus dem zwischen zehn und 20 Jahren Nutzen gezogen werde, schreibt die «Gazeta Lubuska.»

 
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