|
Lausitzer Rundschau, 17.09.2008 Bestandsaufnahme abgeschlossen Studie gibt Welzow gute Chancen als Bergbaustadt Welzow hat Zukunft. Zu dem Ergebnis sind die Stadtplaner der Fachhochschule Lausitz (FHL) nach ihrer Bestandsaufnahme gekommen. Das Team um Professor Dr. Rolf-Rüdiger Sommer hat die Ergebnisse am Dienstag im Rathaus vorgestellt. Drei wesentliche Arbeitsfelder zur Stadtentwicklung haben die Wissenschaftler herausgearbeitet. Dazu gehören auch Initialprojekte und mögliche Umsiedlungsstandorte. Die Stadt und das Bergbauunternehmen Vattenfall bekräftigten in diesem Zusammenhang erneut ihre enge Partnerschaft.
«Wir gehen optimistisch an die Arbeit. In Welzow wird ein lebendiges Stadtgefüge entstehen können» , betonte Sommer. Wichtigste Erkenntnis der bisherigen Analysearbeit sei dabei, dass sich die Stadt in den kommenden Jahren auf drei Schwerpunkte konzentrieren müsse. Das sei zum einen der Aufbau eines modernen Wohnungsbestandes. Dabei müsse der Bau von preiswertem und energieeffizientem Wohnraum gefördert werden. Darüber hinaus sollten die wirtschaftlichen und infrastrukturellen Potenziale des Tagebaus stärker an die Stadt gebunden werden – beispielsweise mit der Verlagerung der Tagesanlagen in das Welzower Gewerbegebiet. Als dritten Schwerpunkt haben die Stadtplaner den Aufbau und die Neuordnung des örtlichen Dienstleistungs- und Gewerbeangebots benannt. Der wertvolle Altbaubestand solle mit Einrichtungen des Tourismus und der Vereinsarbeit nachgenutzt werden. Die Ergänzung mit zeitgemäßen Neubauten für Sozial- und Jugendarbeit sei bereits in Vorbereitung. Dazu könnte nach Vorstellung der Wissenschaftler ein «Haus der Dienste» gehören, in dem Arztpraxen konzentriert werden. Aber auch Künstlerwohnungen mit Ateliers wären ein interessantes Konzept, erklärte Fred Jasinski. Ein Landwarenhaus mit Wochenmarkt könnte die Qualität der Versorgung in Welzow verbessern. Dabei ist es nach Ansicht der Stadtplaner wichtig, die Entwicklungsbestrebungen auf Neu-Welzow und den Anger zu konzentrieren, um diese Bereiche zu stärken. Drei Konzepte für Umsiedlungen Welzows Stadtentwicklung geht jedoch auch mit möglichen Umsiedlungen einher. Dafür haben die Stadtplaner drei Konzepte vorgelegt. Nach Angaben von Professor Sommer könnte dabei das städtische Gefüge in Neu-Welzow verdichtet werden, da es in diesem Bereich der Analyse zufolge den größten Leerstand gibt. Es könnte aber auch auf eine offene Bebauung auf Freiflächen um die Stadt herum gesetzt werden oder aber eine dörfliche Struktur entlang der Straße in Richtung Neupeters hain entstehen. «Dort gibt es auch die entsprechende Flächen für eine landwirtschaftliche Nutzung» , erklärte Rolf-Rüdiger Sommer. Um die Stadt attraktiv zu machen, müssten Initialprojekte bald in Angriff genommen werden. Vattenfall-Vertrag konkretisieren Die vorgestellten Ergebnisse kamen an, brachten bei Gundula Stede vom Bergbautourismusverein aber auch eine große Frage auf. «Wie soll das denn angesichts des Defizits in der Stadtkasse finanziert werden?» , wollte sie wissen. Das sei nur in der Partnerschaft mit dem Bergbauunternehmen möglich, betonte der amtierende Bürgermeister Detlef Pusch (parteilos). Dabei müsse der Vattenfall-Vertrag mit den Stadtentwicklungsprojekten konkretisiert werden. «Wir stehen voll an der Seite von Welzow» , erklärte Professor Detlef Dähnert von Vattenfall und schob nach: «Welzow wird auch mit dem Tagebau lebens- und wohnwert bleiben.» Dafür würden sich beide Seiten einsetzen. Dem verbreiteten Optimismus brachte das Bürgerforum «Stadtumbau Welzow» Skepsis entgegen, was sowohl die Umsiedlungen als auch die demografische Entwicklung der Stadt betrifft. Günter Seifert und Lutz Frauenstein rangen Dähnert die klare Aussage ab, dass das Bergbauunternehmen kein Interesse an einer Komplettumsiedlung von Welzow habe. Das Stadtentwicklungskonzept bis zum Jahr 2030 wird von Vattenfall finanziert. Von Peggy Kompalla |