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Lausitzer Rundschau, 25.09.2008 Tagebau Welzow: Wo soll das noch hinführen?
Christa Balkow aus Welzow schreibt zur Diskussion um die Komplettumsiedlung: Als waschechte Welzowerin und schon einmal umgesiedelt aus Wolkenberg kann ich das Geschrei um die Komplettumsiedlung von Welzow nicht mehr hören. Jede Woche macht unsere Stadt negative Schlagzeilen. Man wird bei jeder Gelegenheit von Fremden darauf angesprochen. Dabei hat die übergroße Mehrheit dieses Bürgerbegehren nicht unterschrieben.
Etwas über 300 Unterschriften sind nicht die Welzower Bevölkerung. Es kann doch nicht sein, dass der, der sich am lautesten zu Wort meldet, meint, für alle zu sprechen. Ich wohne nicht ungern in Welzow, habe hier mein Haus und Grundstück, das ich bis ins Alter behalten möchte. Es gibt eine ärztliche Versorgung und für den täglichen Einkauf auch Großmärkte. In anderen Orten erscheint zu bestimmten Zeiten ein Einkaufs- und Versorgungsauto. Mit der Kohle müssen wir hier nun mal leben wie andere mit einer Autobahn oder einem Flugplatz. 750 Jahre ist die Stadt alt geworden, viele Gebäude sind Zeitzeugen alter Geschichte. Deshalb sollte man sich genau überlegen, ob man die Heimat freiwillig aufgibt und ob ein neuer Ort auf der grünen Wiese besser ist. Ich weiß nicht, ob es so ein Beispiel in Deutschland noch einmal gibt. Außerdem regelt die Nachfrage den Preis. Was soll denn Vattenfall für Grundstücke und Gebäude bezahlen, die sie gar nicht haben wollten und die sie für die Fortführung des Tagebaues gar nicht benötigen? Wenn es um eine ganze Stadt geht, kann man doch nicht nur von privaten Beweggründen ausgehen. Die Nichtbefürworter sollten sich gegen diese Einverleibung von Meinungen wehren. Vielleicht wäre es an der Zeit, nach vorn zu schauen, etwas für Welzow zu erreichen: Straßen, Plätze, Wege und viel Grün, vielleicht auch etwas mehr Ordnung, da kann jeder auch mal vor seine eigene Tür schauen. Die demografische Entwicklung, Arbeitslosigkeit und Schulschließungen sind doch kein Welzow-Problem allein. Ich glaube nicht, dass das in einer sogenannten neuen Stadt auf der grünen Wiese anders würde. Auf meinem Grundstück nehme ich mir Stück für Stück jede unschöne Ecke vor, bringe sie in Ordnung und erfreue mich daran. Sollte es nicht auch in einer kleinen Stadt möglich sein, sie ordentlich und bewohnbar zu machen? Daran sollten wir arbeiten; jeder für sich privat und alle gemeinsam. |