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Lausitzer Rundschau, 18.10.2008 Vattenfalls Pläne in Bagenz diskutiert
Bagenz Im Jahr 2015 will der Energiekonzern Vattenfall das Braunkohlenverfahren für die Tagebaufelder Spremberg-Ost und Bagenz-Ost einleiten. Erste Tätigkeiten seien nicht vor dem Jahr 2030 zu erwarten, erklärte Gert Klocek von der Vattenfall-Tagebauplanung am Donnerstagabend in Bagenz. Nur wenige Gehöfte müssten nach den jetzigen Einschätzungen weichen. Die rund 90 Bürger, die zum Informationsabend über die Pläne Vattenfalls in den "Dorfkrug" gekommen waren, beschäftigt die Sorge um ein Leben am Tagebaurand.
Viele Fragen nach dem Vortrag Koordiniert die Bundesregierung, wie viel Strom aus Braunkohle nach dem Jahr 2030 noch gebraucht wird? Wird im Wald, der dem Tagebau geopfert werden soll, schon jetzt Raubbau betrieben? Sind die Lausitzer nur ein kleiner Spielball im großen Konkurrenzkampf der Energieunternehmen? Wohin kann der Bagenzer fahren, um sich Leben am Tagebaurand schon einmal anzuschauen? Womit will sich Vattenfall bei den Gemeinden am Tagebaurand einkaufen? Bevor die Bürger ihre Fragen stellten und ihre Haidemühler Nachbarn bedauerten, die nun schon wieder in ein Loch gucken müssten, hatten sie über eine Stunde aufmerksam zugehört. Uwe Sell von der Gemeinsamen Landesplanung Berlin/Brandenburg hatte ihnen das etwa fünf Jahre dauernde Braunkohlenverfahren erklärt, angedeutet, wie sie sich in die neue Umweltprüfung für den Umweltbericht einbringen könnten und das Genehmigungsverfahren angesprochen. "Wichtigstes Ziel dabei ist die Festlegung des Abbaugebietes. In diesem Bereich hat Bergbau dann Vorrang – aber erst wenn alles ordentlich abgeklärt und durchlaufen ist", so Uwe Sell.
Gegen Grundwasserentzug
Der Schaufelradbagger arbeite leiser, versprach Gert Klocek. Es gebe große Sprühanlagen gegen den Staub. Das gesamte Tagebaufeld, wenn denn der Tagebau kommt, werde ganz oder zum Großteil von einer Dichtwand umgeben sein. "Sie soll den Grundwasserentzug bei null halten – und das funktioniert auch", sagte Klocek und stellte klar, dass die Randgemeinden durchaus eine wichtige Rolle für Vattenfall spielten. Ein bisschen schwer zu verdauen war für einige Bürger das Argument Vattenfalls, dass die Lausitzer Braunkohle doch auch gebraucht werden, um weiter fleißig CO2-arme Technologien zu entwickeln und sie dann weltweit anbieten zu können. Ins Tagebau-Loch gucken im Dienste der Forschung? Da wurden im Saal ein paar Stammtischparolen laut.
Schaden kam mit der Studie
Doch der Neuhausener Bürgermeister Dieter Perko (CDU) konnte die Wogen wieder glätten, in dem er das Problem seiner Einwohner gegenüber Vattenfall noch einmal auf den Punkt brachte: "Mit der Bekanntgabe der Bergbaustudie sind hier die wirtschaftlichen Schäden bereits eingetreten. Baugrundstücke lassen sich hier kaum noch verkaufen. Dass Eigenheime neu errichtet werden, sich Handwerk und Gewerbe niederlässt, ist nahezu aussichtslos. Dabei wollen wir die Ansiedlungen in unseren Ortsteilen forcieren – für eine demografische Entwicklung, mit der wir unsere soziale Infrastruktur erhalten können. Mehrere Kindergärten sind schon verschwunden, und wir haben auch nur noch eine Grundschule. Mit dem Bergbau wird sich dieses Problem potenzieren", so Perko. Er verwies auf das Volksbegehren gegen neue Tagebaue in der Lausitz, für das seit einer Woche auch im Neuhausener Einwohnermeldeamt Unterschriften gesammelt werden. Aber, so Perko weiter, Vattenfalls klare Absichtserklärung sei da und die Landesregierung stehe dahinter, und dass ein Tagebau durch einen Volksentscheid verhindert worden sei, habe er auch nicht gehört.
Arbeitsgruppe empfohlen
Also gelte es, mit Vattenfall nach Maßnahmen zu suchen, die das Leben am Tagebaurand lebenswert machen. Mit der Sanierung der Dorfstraße kam prompt ein erste Vorschlag für die Maßnahmenliste aus Bagenz. Über weitere Vorhaben könne eine externen Arbeitsgruppe oder ein von der neuen Gemeindevertretung gebildetes Gremium beraten, so Klocek, "das begrüßen wir". Perko wolle das gleich in der konstituierenden Sitzung am 27. Oktober in Neuhausen ansprechen. Und mindestens einmal im Jahr, da waren sich Landesplanung, Vattenfall und die Bürger am Donnerstag einig, wollen sie sich wiedersehen und über die konkreter werdenden Tagebaupläne diskutieren. Beim nächsten Treffen über den Wertverlust der Grundstücke zu informieren, hat Gert Klocek als Hausaufgabe mitgenommen. Vattenfall habe dazu gerade Untersuchungen in Auftrag gegeben, versicherte Klocek.
Annett Igel |