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Montag, 20. Oktober 2008

Lausitzer Rundschau, 21.10.2008


Spremberg: Was vom Tagebau übrig bleibt


"Rekultivierung – Perspektive oder Etikettenschwindel?" war das Thema beim fünften Gesprächsabend der evangelischen Michaelkirchengemeinde Spremberg. Die beiden Seiten beleuchteten Gerald Kendzia, Leiter Rekultivierung / Naturschutzmanagement beim Energiekonzern Vattenfall und Dr. Uwe Steinhuber vom Bergbausanierer LMBV sowie Wieland Böttger vom Spremberger Regionalverband des Naturschutzbundes.

Achim Paschke von der Kirchengemeinde gab anhand von zahlreichen Bildern einen ersten Einblick in das Thema Rekultivierung und eröffnete damit die kontroverse Debatte, die viele Aspekte beleuchtete. So äußerte Naturschützer Wieland Böttger seine Befürchtung, dass triste, menschenleere Tagebaufolgelandschaften geschaffen würden, die der Artenvielfalt der natürlich gewachsen Biosphäre niemals gleich kämen. Beispiele dafür gebe es in unmittelbarer Umgebung, so Böttger. Dem setzten Kendzia und Steinhuber entgegen, dass es eine gewisse Zeit brauche, um die Landschaft nach dem Tagebau wieder herzustellen. "Man braucht viel Geduld. Es geht nicht von heute auf morgen. Auch Fürst Pückler hat damals nichts von seinen Bemühungen gehabt, sondern erst seine Nachkommen", so Kendzia. Für die neu gestaltete Landschaft sei die Fruchtbarkeit des Bodens die wichtigste Aufgabe im Rekultivierungsprogramm, erklärte er.

Wieland Böttger wollte es genauer wissen. „Wie lange dauert es denn, bis die Landschaft nach dem Tagebau wieder einen zumutbaren Zustand erreicht hat?“, fragte er. Doch auf diese konkrete Frage, gab es nur eine ungefähre Antwort. Die Rekultivierungsexperten betonten, dass es keine konkreten Zahlen gebe. Doch sie gingen in der Regel von einem Zeitraum von 20 bis 30 Jahren aus. Das sei jedoch von vielen Faktoren abhängig. "Wir haben es hier mit Extremstandorten zu tun. Viele Leute schauen uns bei unserer Arbeit, die wissenschaftlich begleitet wird, auf die Finger", sagte Gerald Kendzia.

Es sei keine leichte Aufgabe, alles voranzubringen, das Spektrum reiche von der Flutung der Restlöcher bis hin zum Wegebau. "Das Ganze wird von Menschen für Menschen gemacht. Es ist ein Prozess, an dem viele Leute mitwirken", so Uwe Steinhuber.

Wie Pfarrer Johann Jakob Werdin erklärte, dienen die Gesprächsrunden vor allem dazu, die Standpunkte von Experten zu erfahren, um sich selbst ein Bild von den Auswirkungen der Tagebaue machen zu können. Am Freitag, 14. November, werde die Debatte um 19.30 Uhr fortgesetzt. Dann laute die Frage: "Energie gewinnen durch Heimatverlust?"


Von André Kurtas

 
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