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Sonntag, 9. Dezember 2007

Lausitzer Rundschau, 17.10.2007

Sallgaster Bürgerinitiative plant Aktionen


«Wir sind alle gebrannte Kinder»


Sallgast. «Manfred Stolpe hat schon einmal gesagt: Nach Horno ist Schluss mit dem Abbaggern von Dörfern. Jetzt stehen schon wieder drei Orte auf der Abrissliste – auch wenn Sallgast nicht dabei ist. Noch nicht!? Wir haben jedenfalls kein Vertrauen mehr in die Politik. Wir sind gebrannte Kinder.»

«Es muss Schluss sein mit der Vertreibung von Menschen wegen der Kohle!»
Hartmuth Hofmann, Vereinsvorsitzender
der Sallgaster Bürgerinitiative

Das sagt gestern [16.10.2007] die Sallgasterin Edith Magath – und die anderen nicken ihr zu. Sie wollen nicht tatenlos zusehen, wie wieder Bagger die Heimat von Menschen wegschaufeln – «und wenn es ,nur’ 900 sind, wie es heißt. Es sind 900 zu viel» , meint Hartmuth Hofmann, der Ortsbürgermeister. «In Atterwasch, Grabko und Kerkwitz sind in den letzten Jahren auch viele neue Häuser gebaut worden – obwohl bei Vattenfall längst die Abrisspläne in den Schubläden lagen» , ist sich Jürgen Friedrich sicher. Und auch darüber: «Wenn es tatsächlich gelingt, Kohle schadstofffrei zu verstromen, dann geht es mit der Buddelei weiter in der Lausitz, dann wird nach jeder Krume gesucht. Und in Sallgast sitzen wir auf Kohle.» Es müsse einfürallemal Schluss sein mit der brutalen Vertreibung von Menschen aus ihrer Heimat, in der Familien mitunter seit Generationen leben oder wo junge Menschen sich wohl fühlen und dabei sind, Wurzeln zu schlagen.

Diese Forderung eint viele in Sallgast. Zehn von ihnen haben sich unlängst zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen, die kürzlich den Status eines eingetragenen Vereins bekam. Der Verein will sich in den nächsten Wochen und Monaten stark machen für die jetzt unmittelbar vom Abriss bedrohten Dörfer Atterwasch. Grabko und Kerkwitz. «Wir erklären uns mit ihnen solidarisch und unterstützen die Volksinitiative gegen den Neuaufschluss von Braunkohletagebaue in der Lausitz» , erklärt Hartmuth Hofmann, der zum Vorsitzenden des Vereins gewählt wurde. Mit Veranstaltungen und Aktionen will man das Anliegen öffentlich machen und viele Mitstreiter gewinnen.

So ist vorgesehen, die von den Lakoma-Teichen, die ebenfalls weichen müssen, erworbenen acht Eichensetzlinge in den Sallgaster Ortsteilen, wie auf dem Klingmühler Dorfplatz, vor der Sallgaster Schule und auf dem Poleyer Kinderspielplatz zu verpflanzen: «Als Symbol dafür, dass diese Bäume nie wieder einem Bagger weichen müssen.» Bei einer so genannten «Stromwechselparty» will man auf die Alternativen von Kohlestrom hinweisen. Im gesamten Amt sollen Unterschriften gegen den weiteren Aufschluss von Tagebauen gesammelt werden. Dabei will die Sallgaster Bürgerinitiative «Parteien keine Plattform für den Wahlkampf bieten» , wie man sagt, andererseits aber Verbündete im gemeinsamen Kampf suchen, so die Grüne Liga. Zu den Kommunalwahlen werde man sich «ganz genau ansehen, welche Kandidaten die Braunkohlepläne befürworten und welche nicht» , war gestern zu hören. (-db-)


Interesse an der Bürgerinitiative?
Wer sich der Sallgaster Bürgerinitiative anschließen möchte, wird gebeten, sich an Hartmuth Hofmann (035329 426) oder Dr. Klaus-Dieter Zeising (03531 63375) zu wenden.

 
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