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Zweiter Streich der Greenpeace-Kletterer in Boxberg PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 4. Oktober 2007

Lausitzer Rundschau, 04.10.2007


Protest gegen Vattenfall-Kraftwerk spitzt sich zu

Zweiter Streich der Greenpeace-Kletterer in Boxberg

 Die Anti-Braunkohle-Transparente von Greenpeace sind fast alle von den Baukränen verschwunden.

 

Doch dafür prangte auf der Vattenfall-Baustelle in Boxberg (Niederschlesischer Oberlausitz) gestern der Schriftzug «Stop CO 2» in sieben Meter großen Lettern auf dem Kühlturm-Rohbau für den neuen Kraftwerksblock Q.

Link zum Bild bei lr-online.de 

Die Umweltschutzaktivisten überraschten Polizei und Vattenfall-Sicherheitsdienst in der Nacht erneut, nachdem sie am Montagmorgen bereits sieben Baukräne besetzten und an ihnen Transparente aufhängen konnten (die RUNDSCHAU berichtete). Laut Polizeisprecher Uwe Horbaschk haben die Aktivisten gestern mit Leitern einen Zaun überwunden. Über den Lastenfahrstuhl gelangten sie auf den Kühlturm-Rohbau, seilten sich von der Oberkante ab und sprühten die Buchstaben auf. Horbaschk: «Das Gelände ist weitläufig. Wir haben keine Armee zur Verfügung, so etwas zu verhindern.» Die 24 Kühlturm-Kletterer hätten sich nach der Aktion abgeseilt und friedfertig ihre Personalien aufnehmen lassen. Am Nachmittag habe die Feuerwehr den Schriftzug entfernt. Wie Vattenfall-Sprecher Peter Fromm bestätigt, hat die betroffene Hochbaufirma Anzeige wegen Sachbeschädigung erstattet.

«Schließlich sollen aus dem Kühlturm Jahr für Jahr 4,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid aufsteigen und das Klima zerstören» , erklärt Greenpeace-Sprecher Jan Haase die Wahl des Ziels. Greenpeace, sagt Haase, mache das Ende seines Protestes abhängig von einem Gespräch mit dem Vattenfall-Vorstandsvorsitzenden Lars Josefsson. Denn die Aussagen vom Projektleiter für den Boxberger Neubaublock R, Thomas Porsche, und von Kraftwerksvorstand Reinhard Hassa würden sich widersprechen: «Der eine sagt, der neue Block ersetzt einen anderen, der andere, er würde ergänzend gebaut. Wir fordern verbindliche Aussagen» , so Haase.

Reinhard Hassa indes wundert sich «über die konsequent ignorante und nur auf mediale Wirkung zielende Rhetorik von Greenpeace.» Das topmoderne Kraftwerk werde weniger umweltfreundliche ältere Kraftwerke vom Markt verdrängen. Vattenfall habe seine CO 2 -Emissionen bereits um mehr als 50 Millionen Tonnen jährlich reduziert. Hassa: «Das ignoriert Greenpeace offensichtlich.» Hätten alle Braunkohle-Kraftwerke den Standard des neuen Boxberger Blocks, so Hassa, würde der Ausstoß von Kohlendioxid um ein Drittel gesenkt. Weiter verweist Hassa auf die Entwicklung eines Verfahrens, das CO 2 nicht in die Atmosphäre entlässt, sondern unterirdisch sicher speichert.

Dem hält Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid entgegen: «Niemand weiß, wie so viel Kohlendioxid dauerhaft gespeichert werden kann und welche Folgen das hat.» Zudem würde trotz Abscheidungstechnik weiter Kohlendioxid in die Luft geblasen, wenn auch nicht mehr so viel.

Gestern Abend sind die letzten Greenpeace-Aktivisten vom Hauptkran geklettert. Damit wurde die Aktion der Umweltschützer beendet.

Zum Thema: Für Kohle-Pläne

Brandenburgs Regierungsfraktionen unterstützen die neuen Braunkohle-Pläne des Energiekonzerns Vattenfall. Allerdings müsse für die Verstromung in neuen Kraftwerken eine klimaverträgliche Technik entwickelt werden, forderten jetzt CDU-Fraktionschef Thomas Lunacek und der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Christoph Schulze. Neue Kraftwerke könnten nur genehmigt werden, wenn die Kohlendioxid-Abscheidung funktioniere. In einem Antrag an den Landtag sprechen sich die Fraktionen für einen zukunftsfähigen Energiemix vor allem aus regenerativen Energien und Braunkohle aus.

 


Von Daniel Preikschat

 
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