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Lausitzer Rundschau, 18.10.2007
Einwohner über Vorbereitungsstand der Teilortsumsiedlung informiert
Botschaften aus Trebendorf
Nächste Woche tagen Braunkohlenausschuss und Regionaler Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien. Vorgesehen ist, den Aufstellungsbeschluss für ein Braunkohleplanverfahren für das Vorranggebiet des Tagebaus Nochten zu fassen, so Dr. Peter Heinrich, Geschäftsführer des Verbandes. Ende 2012 könnte der Braunkohlenplan genehmigt sein. Die Bewohner von Klein-Trebendorf wollen in diesem Fall aber nicht lange Jahre auf ihre Umsiedlung warten, sondern wünschen sich diese dann kurzfristig, sagten sie am Dienstagabend in der Einwohnerversammlung in Trebendorf.
«Für die Umsiedlungsflächen in Trebendorf kommt es bis 2017 zu keiner Überschreitung der maximalen Immissionsrichtwerte» Joachim Zeidler, Vattenfall
Mit dieser Botschaft der Klein-Trebendorfer hatte Prof. Dr. Detlev Dähnert, Leiter Bergbauplanunug und -Infrastruktur bei Vattenfall, an diesem Abend keineswegs gerechnet, wie er betonte. Deshalb wiederholte er auch mehrmals seine Frage, ob er diese Botschaft wirklich richtig verstanden habe. Die Antwort, die zum Beispiel Kerstin Antonius gab und dabei von Erhardt Weinberg und anderen unterstützt wurde, war ein deutliches Ja. Niemand wolle, vorausgesetzt Vattenfall bekommt das Vorranggebiet genehmigt, noch jahrelang unnötig den Dreck des Tagebaus unmittelbar vor der Haustür schlucken. Denn Detlev Dähnert und seine Kollegen hatten zuvor eindeutig erklärt, dass das Vorranggebiet wohl nicht vor 2029 in Anspruch genommen werde. Jenen, die sich zu Wort meldeten, wäre es auch recht, wenn das Planungsverfahren nicht erst 2012 beendet würde, hieß es. «Es sollten gleich Nägel mit Köpfen gemacht werden» , forderte Carola Rocktäschel. «Wir werden einen Lösungsweg für Ihre Botschaft finden» , reagierte Dähnert.
Informationsvielfalt angeboten Die Einwohnerversammlung war von Bürgermeister Peter Mäkelburg einberufen worden, um zum einen über den Vorbereitungsstand der Teilortsumsiedlungen sowie über Vorhaben aus dem Sonderbetriebs- und dem Maßnahmeplan «Wasser» und über Fragen des Immissionsschutzes für die vier Umsiedlungsstandorte in Trebendorf zu sprechen. Und zum anderen, um Sinn und Zweck des Forderungskataloges für den Trebendorfer Grundlagenvertrag und des Dorfentwicklungsplanes zu erklären. Angesprochen sollten sich nicht nur die Umsiedler fühlen, sondern vor allem die, die in Trebendorf wohnen bleiben, hatte der Bürgermeister betont. Die Verhandlungskommission von Trebendorf hatte gefordert, die gesamte Ortslage Trebendorf als Umsiedlungsstandort zu untersuchen, erinnerte Joachim Kretschmer von Vattenfall am Dienstagabend. «Das hat es so noch nie gegeben» , fügte er hinzu. Für die vier Bereiche – Kaupe links und rechts, Bad und Erdmann – dafür findet derzeit ein städtebaulicher Ideenwettbewerb statt. Ab 10. Dezember sollen die Ergebnisse präsentiert werden. Kretschmer erläuterte den weiteren Verfahrensweg: Grunderwerb; Bauleitplanung/Erschließungsplan; Grundstücksvormerkung und damit Rechtssicherheit für den Umsiedler; Realisierung der Erschließung; baureifes, erschlossenes Grundstück an den Umsiedler übergeben. Klaus Rohrbach, Gemeinderat und neu im Beirat Bergbau von Trebendorf, kritisierte, dass bisherige Einzelgrundstücke an Wert verlieren, wenn alles zugesiedelt wird. Selbst das Naturschutzgebiet sei aufgehoben worden. Außerdem kriege man einen Nachbarn, ob man ihn wolle oder nicht, machte sich Rohrbach Luft. Bürgermeister Mäkelburg könne diesen Standpunkt überhaupt nicht teilen. «Wir müssen jedem dankbar sein, der in Trebendorf umsiedelt.» Was den vermuteten Wertverlust angeht, widersprach Vattenfall-Mann Kretschmer. «Der Wert hängt von der Erschließung ab.» Klaus Rohrbach dürfe nicht vergessen, dass die Last der Versorgungskosten durch die jeweiligen Anwohner gehe. Sind es weniger, ist die Last für den einzelnen höher. «Es sind ja keine Fremden, sondern Trebendorfer, die Ihre Nachbarn werden könnten» , mahnte Kretschmer. Sehr befremdet über die Äußerungen seines Ratskollegen war der Mühlroser Waldemar Locke. «Die Umsiedler müssen Haus, Hof und Grundstück opfern. Und die Leute siedeln auch für Dich um, für den Erhalt Deines Arbeitsplatzes» , sprach ihm Locke ins Gewissen.
Maximal-Bedingungen berechnet «Die Immissionsprognose, die wir vor einiger Zeit für Trebendorf erstellt und in einer Einwohnerversammlung vorgestellt haben, hat nach wie vor Gültigkeit» , wandte sich Joachim Zeidler an die Anwesenden. Er nutzte die Gelegenheit, um noch einmal zu erläutern, dass bei der Berechnung die maximal mögliche Lärm-Belastung zugrunde gelegt wurde – alle Großgeräte stehen nebeneinander nahe der Ortschaft; der Wind pfeift aus Richtung Tagebau in den Ort; Lärm durch ortsveränderliche Geräte. Diese Umstände würden vor Weißwasser auf 1,7 Prozent der Jahres-Arbeitszeit zutreffen. «Für die Umsiedlungsflächen in Trebendorf kommt es bis 2017 zu keiner Überschreitung der maximalen Richtwerte» , so Zeidler. Bei Kaupe links und rechts würde der Lärm bei einer maximalen Entfernung zum Tagebau von rund 1200 Metern dauerhaft unter 45 Dezibel liegen. Für den Standort Bad (rund 1000 Meter Entfernung) nannte Zeidler zirka 50 Dezibel für zwei bis drei Jahre, ebenso für den Standort Erdmann. «Das ist der heutige Kennt nisstand, und die Entwicklung geht weiter.» Bis Ende Oktober soll ein Katalog weiterer Schutzmaßnahmen für Trebendorf vorliegen, kündigte Detlev Dähnert an. Zum Thema Lauter Sprechfunk Einwohner kritisierten, dass in der Nacht der Sprechfunk an den Großgeräten im Tagebau bis ins Dorf zu hören sei. «Das sollte doch längst abgestellt werden» , wurde an vorherige Aussagen erinnert. Einen Teil dessen sei auch realisiert., sagte Referent Joachim Zeidler. Für weitere Maßnahmen brauche Vattenfall die Zustimmung der Behörden. «Denn es gibt Vorschriften und Normen, die wir einhalten müssen.»
Von Gabi Nitsche |