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Lausitzer Rundschau, 21.04.2008 Film über das Leben in den sorbischen Dörfern erlebt Premiere Mehr als nur vom Schleifer Kirchturm geblickt Schleife „Ein sehr schöner Film, und wenn man sich das so richtig überlegt – für die Nachwelt ist das wirklich nicht schlecht“, schwärmt Gerda Juskowiak nach einer Stunde und 15 Minuten. Genauso lange dauert der Film „Vom Schleifer Kirchturm geblickt“, der vom Leben in den Schleifer Dörfern berichtet. Seine Premiere erlebte er Freitag im Sorbischen Kulturzentrum. Bürgermeister Hans Hascha hatte zu Beginn von einer Exkursion gesprochen, die über die Vergangenheit in die Gegenwart führt und es ermöglicht, das Hier und Heute für nachfolgende Generationen zu bewahren.
„Ein gelungener Anfang, denn es sollen ja weitere Filme entstehen“, freut sich Reinhard Bork, Schleifes stellvertretender Bürgermeister schon auf Teil Zwei. „Die Leute von FilmArt Potsdam haben echt gute Arbeit geleistet.“ Irgendwie würden die Filmemacher ja schon zum Dorfbild gehören. „Wenn Robert Jeffries oder wer auch immer seine Kamera auspackt, guckt keiner mehr komisch und macht sich von dannen, denn sie halten sich trotzdem dezent im Hintergrund“, ist sich Bork sicher. Die in diesem Moment um ihn herumstehenden Schleifer sehen das genauso und nicken. Vieles von dem, was die Männer seit Ende 2005 in den Orten gefilmt haben, dokumentiert den Jahreslauf in den Dörfern. Und diese 365 Tage werden sowohl an Sehenswürdigkeiten aber vor allem am Vereinsleben, Brauchtum und an den Traditionen festgemacht, die in den sieben Dörfern des Schleifer Kirchspiels gelebt werden. Und so mischten sich Robert Jeffries und dessen Kollegen unter die zampernden Halbendorfer und die Vogelhochzeit feiernde Kita Schleife. In der warmen Stube von „Zucholds hinterm Bahndamm“ waren es die Frauen beim Federnschleißen mit Gesang, Getratsche und geistigen Getränken. Der Name Zuchold spielte in dem Film noch einige Male eine wichtige Rolle. Stichworte Fasching, Schleifer Schubkarrenrennen… Auf das alljährliche dichte Gedränge beim Halbendorfer Ostereiermarkt verzichteten die Filmemacher ebenso wenig wie auf das Ostersingen mit den Kantorki, Hexenbrennen in Schleife oder den Pokalwettkampf der Feuerwehren in Mulkwitz. Förster Sammel und dessen Lebenswerk, die Mulkwitzer Hochkippe, verdeutlichen, wie schön die Natur ist. Das Schleifer Gotteshaus ist sei eh und je Treffpunkt für die Menschen aus den umliegenden Dörfern, weist der Film hin. Auch darauf, dass Hanso Njepila der berühmteste Rohner gewesen sei, und wie einzigartig der 200-jährige Njepilahof ist, wenn es darum geht, alte sorbische Traditionen zu bewahren. Mit der Milchkanne in die Blaubeeren Mit Edith Penk geht es wie einst mit der Milchkanne am Bauch und dem Kamm in der Hand zum Blaubeersammeln. Doch auch Erinnerungen an das tolle 20. Neptunfest am Halbendorfer See, den 50. Geburtstag der Kita in Rohne werden wach. Feste wie das Traktorpulling in Halbendorf, das Schützenfest in Groß Düben, die das Gemeinschaftsleben prägen, sind Teil des Films. Nicht zu vergessen der Schleifer Sportverein und das Musical „Wundersame Weihnacht“ der Schleifer Mittelschüler. Der Film zeigt, dass die Filmemacher den Weg in die Herzen der Bewohner gefunden haben. Denn „Vom Schleifer Kirchturm geblickt“ wurde von den Zuschauern am Freitagabend keineswegs als „Fremdkörper“ empfunden, oder gar als etwas, wo von außen mal ein kurzer Blick auf die Region geworfen wurde. Evert Beewen, der FilmArt leitet, und Autor Fritz Barber bedankten sich deshalb auch herzlichst für die Offenheit der Menschen in den Dörfern. Denn ohne sie wäre so ein Ergebnis gar nicht möglich geworden. „Wir haben so viele Interviews geführt – das war ein sehr gutes Erlebnis für uns.“ Bis auf zwei Situationen, grenzte Barber ein und musste schmunzeln, als er von diesen berichtete. Beewen und er, in bester Interview-Absicht unterwegs, seien doch von Erika Petrick aus Rohne glatt als Zeugen Jehovas angenommen wurden. Und auf dem Gelände der früheren Muna, habe jemand glaubte, die beiden Herren seien als Schatzgräber unterwegs, „ansonsten wurden wir überall mit einem freundlichen ,Guten Tag’ begrüßt.“ «Hier wird das Sorbische gelebt» Fritz Barber gestand, schon so einige Filme gemacht zu haben, aber „hier haben wir eine völlig neue Erfahrung gemacht: Es ist ein Gebiet, wo das Sorbische tatsächlich gelebt wird. So intensiv wie nirgendwo anders.“ Die FilmArt-Leute würden gern weiter in den Dörfern drehen, den Prozess, wenn die Dinge schwieriger werden. „Ich bitte Sie, uns Ihre Türen aufzumachen“, wandte sich der Autor an das Publikum. „Wir haben die Minen im Gelände schon kennen gelernt“, deutete er die Probleme und die Ängste im Zusammenhang mit dem näher rückenden Tagebau Nochten an, der um die Dörfer keinen Bogen macht, und folgenden Umsiedlungen. Finanziell ermöglicht hat die Dokumentation – auch für Trebendorf entsteht eine, der erste Film über Trebendorf und Mühlrose erlebte bereits seine Premiere (die RUNDSCHAU berichtete) – Vattenfall. Jeder Schleifer Haushalt erhält eine DVD mit dem Film kostenfrei. „Wer mehrere Exemplare haben möchte, muss die zusätzlichen für sechs Euro pro Stück kaufen“, erklärte Bürgermeister Hans Hascha nach der Uraufführung und fügte hinzu: „Der Erlös kommt den Kindereinrichtungen der Gemeinde zugute.“ Der Film „Vom Schleifer Kirchturm geblickt“ wird in den kommenden Wochen noch einmal in Schleife, aber auch in den Ortsteilen Rohne und Mulkwitz gezeigt. Die genauen Termine stehen noch nicht fest. Von Gabi Nitsche |