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Lausitzer Rundschau, Loka WSW, 27.02.2008 Sorbischer Protest gegen Bergbaupläne am Rande / Brief übergeben Merkel und von der Leyen besuchten Zivis in Schleife Etwa 140 Zivildienstleistende, die derzeit ihren Einführungslehrgang in der Zivildienstschule in Schleife absolvieren, erhielten gestern die Gelegenheit, ihre «Politische Bildung» auf ganz praktische Weise zu vertiefen. Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Familienministerin Ursula von der Leyen zu einem Kurzbesuch in der Schule erwartet wurden, hatten die Zivis erst am Abend zuvor erfahren. Noch am Dienstagmorgen hatten sie sich in Gruppen darüber verständigt, welche Fragen sie an die Regierungspolitiker los werden wollten.
So ging es dann während einer Podiumsdiskussion mit sechs Vertretern der Zivildienstleistenden kritisch und kontrovers zu. Beispielsweise, wenn es um die Entlohnung, aber auch die gesellschaftliche Anerkennung der Zivis ging. Letztere, meinte Ursula von der Leyen, habe sich in den vergangenen Jahren sehr positiv geändert. Kriegsdienstverweigerer würden nicht mehr als Drückeberger angesehen. «Heute sind das lieb gewordene Menschen, auf die wir nicht mehr verzichten wollen.» , so von der Leyen. Unter den Gästen der Veranstaltung fanden sich auch die Bundestagsabgeordneten Maria Michalk (CDU) und Ilja Seifert (Linke) – nach Ansicht von Angela Merkel zwei Garanten dafür, dass Fragen, die beim gestrigen Besuch noch offen geblieben sein sollten, doch die Bundeskanzlerin erreichen. Mancher wollte allerdings nicht so lange Zeit verstreichen lassen. Sorben in Schleifer Tracht hatten sich nicht nur eingefunden, um Kanzlerin und Ministerin traditionell mit Brot und Salz zu begrüßen. Als Zaungast in Tracht wartete auch Edith Penk (69) vom Rohner Dorftheater, vor dem Gelände der Schule, um Angela Merkel einen Brief zu übergeben. Selbst durfte sie das letztlich nicht, aber über Sicherheitskräfte erreichte das Papier die Kanzlerin doch. Darin äußert Edith Penk – im Namen vieler Bürger, wie sie schreibt – ihre Sorge um die Zukunft des Kirchspiels Schleife: «Dieses Kirchspiel wird es nach den Plänen Vattenfalls und des Landes Sachsen bald nicht mehr geben, wenn das Vorranggebiet für die Braunkohle in Anspruch genommen wird. Danach sollen die Orte Rohne, Mulkwitz, Mühlrose – Ortsteile von Trebendorf und Schleife – verschwinden. Die Bewohner sollen dann zwischen Schleife, Groß Düben und Halbendorf umgesiedelt werden. Sind wir dann die Indianer der Lausitz?» In einer Gegend, wo schon vor weit über 1000 Jahren slawische Stämme siedelten, solle nun dieses kleinste sorbische Trachtengebiet mit seiner Jahrhunderte alten Kultur und eigenen Sprache zerrissen werden. Ebenso werde es Waldflächen mit 400-jährigen Eichen, alten Buchen, Fichten und Kiefern treffen. Edith Penk appelliert an die Kanzlerin, als Christin für die Bewahrung der Schöpfung einzutreten: «Sie setzen sich in anderen Ländern für den Schutz der Wälder, der Verringerung des CO 2 -Ausstoßes und für den Klimaschutz ein. Bäume sind der beste CO 2 -Killer, das haben wir schon in der Schule gelernt.»
Dieses Kirchspiel wird es nach den Plänen Vattenfalls und des Landes Sachsen bald nicht mehr geben ... Die Bewohner sollen ... umgesiedelt werden. Sind wir dann die Indianer der Lausitz?
Auch Schleifes Bürgermeister Hans Hascha (CDU) hätte die Bergbauproblematik gern gegenüber der Bundeskanzlerin angesprochen, wie er gegenüber der RUNDSCHAU versicherte. «Leider gibt es aber ein Protokoll, und das lässt es nicht zu» , sagte Hascha. Das ließ am Rande nur Zeit dafür, dass sich Kanzlerin und Familienministerin im Goldenen Buch der Gemeinde verewigten. «Für uns ist es eine große Ehre, dass die Bundeskanzlerin nach Schleife kommt» , so Hascha. «Das zeigt auch, dass sie immer noch mit der Zivildienstschule, an der sie ja auch einen Verdienst hat, verbunden ist. Aber sicher wären der Bergbau und die Strompreise in der Region auch ein Thema, das ich gern einmal mit der Kanzlerin besprechen würde. Schließlich ist es nicht fair, dass wir die größten Opfer bringen und auch die höchsten Strompreise haben. Dass in unserer Region im ländlichen Raum Unternehmen nicht gerade dicht gesät sind, ist ja bekannt. Energiekosten spielen da eine bedeutende Rolle.» Von Thoralf Schirmer |