|
Lausitzer Rundschau, 12.03.2007
Bürgerinitiative «Umsiedler Schleife» erstellt Forderungskatalog
Separate Gespräche gefordert
«Wir können uns nicht an den Gedanken gewöhnen, wegzugehen. Der Verlust an Heimat ist nicht zu ersetzen.» Sabine und Jörg Herbt leben in Rohne und gehören zu jenen Familien, die durch den Bergbau umgesiedelt werden müssen. Im Oktober letzten Jahres gründeten sie gemeinsam mit weiteren betroffenen Familien aus Rohne, Mulkwitz und Schleife die Bürgerinitiative «Umsiedler Schleife» .
«Wir sind sicherlich nicht die ersten, die gehen.» Die Familie werde es sich so lange schön machen wie es eben geht, sagt Sabine Herbst (46). Ihr Mann Jörg (43) ist gebürtiger Rohner, sein Elternhaus steht nebenan, auf der anderen Seite Wald und Flur, weit ab vom Straßenlärm. 1993 haben er und seine Frau, damals war ihr Sohn vier, das Haus bezogen. «Ich komme aus einer Kleinstadt, konnte mir nie vorstellen, ein Haus zu haben. Und jetzt würde ich nie wieder mit einem Städter tauschen wollen» , gesteht Sabine Herbst. «Heimatgefühl, das ist das, was uns Umsiedler eint. Das zu verlieren, dafür gibt es keine Entschädigung.» Man selbst könne oft nicht schlafen, mache sich viele Gedanken, wie das alles wird, sagt sie. Aber den Älteren, wie ihrer Schwiegermutti, gehe es noch schlimmer, so tief verwurzelt seien sie. «Am Anfang hat man von ihnen ganz oft gehört: Hoffentlich erlebe ich das nicht mehr . . . Das war das Allerschlimmste» , sagt Sabine Herbst. Etwa zwanzig Haushalte sind in der Bürgerinitiative vertreten. Jörg Herbst erklärt, warum es überhaupt zur Gründung gekommen sei. «Anfangs hieß es immer, Vattenfall würde einen Anwalt bezahlen. Für die Gemeinde und für die Umsiedler. Doch im September letzten Jahres bei der Erläuterung zum Sozialen Anforderungsprofil – das ist das Angebot Vattenfalls an die Umsiedler – haben wir völlig unerwartet erfahren, dass es keinen Rechtsanwalt gibt. Und das soll bis zur Fertigstellung des Grundlagenvertrages so sein.» Dass die Umsiedler davon sozusagen am Rande erfahren hätten, auch, dass diese Regelung bereits Anfang 2006 getroffen worden sei, so Herbst, habe für Unmut gesorgt. «Die Geheimhaltung ist uns aufgestoßen. Ebenso, dass sich die Gemeinde Vattenfall gebeugt hat.» Jörg und Sabine Herbst betonen: «Wir hatten Angst, als Umsiedler nicht richtig vertreten zu werden. Deswegen die Bürgerinitiative.» Rechtsanwalt Siegfried de Witt sei bei der Gründung am 3. Oktober 2006 dabei gewesen. «Er berät uns, hat von uns allen das Mandat bekommen.» Im November habe de Witt Vattenfall über die Gründung informiert und mitgeteilt, dass die Bürgerinitiative allein mit Vattenfall verhandeln wolle. «Die Antwort war sehr enttäuschend. Separaten Verhandlungen könnte Vattenfall nicht entsprechen. Das Unternehmen sehe weder den beauftragten Rechtsanwalt noch den Bürgerverein als legitimiert an, hieß es eiskalt. Es gab keine weiteren Erklärungen und noch nicht mal den geringsten Versuch, mit uns zu reden» , berichtet der Rohner. Und er bekräftigt: «Wir fordern die separaten Verhandlungen nach wir vor.» Jörg Herbst sagt, de Witt habe sie auch beim Forderungskatalog – die Antwort auf das SAP – beraten. «Ja, wir haben einen eigenen erarbeitet. Es geht dabei um alles, was für die private Entschädigung relevant ist» , betont Jörg Herbst. «Die Gemeinde stellt ihren nach einem anderen Prinzip auf. Sie orientiert sich mehr an dem Umsiedlungsvertrag Haidemühl. Wir setzen auf den Vertrag von Horno.» Familie Herbst weiß sich eins mit den Mitstreitern in der Bürgerinitiative: «Über unser Eigentum sollen nicht andere entscheiden. Uns ist unser Mitspracherecht sehr, sehr wichtig. Niemand, der nicht selbst betroffen ist – und aus dem Gemeinderat ist niemand direkt betroffen – wird so vehement um alles kämpfen, wir wir selbst.» Die Initiative mache es sich nicht leicht. «Seit Oktober haben wir sieben Versammlungen mit reger Beteiligung durchgeführt und uns auf eine grundlegende Verfahrensweise verständigt.» Am letzten Mittwoch hätten die Mitglieder die Diskussion zum Forderungskatalog abgeschlossen. «Alle sind mit dem Inhalt einverstanden. Wenn die letzten Hinweise eingearbeitet sind, kann jeder unterschreiben. Bis dahin werden wir sehen, wie es mit den Forderungen von uns weitergeht.»
Von Gabi Nitsche |