Sorben in der Schleifer Region

Das kleinste und außergewöhnlichste sorbische Folklore- und Trachtengebiet findet man in der Gegend um Schleife. Dieses Gebiet umfasst nur sieben Dörfer, die zum Kirchspiel Schleife gehören. Der dort gesprochene "Schleifer Dialekt" lässt sich weder dem nieder- noch dem obersorbischen Sprachgebiet zuordnen, weshalb er auch als dritte sorbische Sprache bezeichnet wird. Da die Schleifer Sorben Ihre Traditionen seit Jahrhunderten pflegen, sind heute noch sehr viele Geschichten, Märchen, Sagen und Bräuche bekannt. Als weitere regionale Besonderheit sind die Musikinstrumente Dudelsack und die dreisaitige Geige zu nennen.
Aber das Wichtigste und Bekannteste der Region ist die Tracht. Die Schleifer Tracht setzt sich aus einem grünen Faltenrock, einer Blaudruckschürze, einem roten Häubchen und einem Schultertuch, das bei verheirateten Frauen blau-grün gefärbt ist, zusammen. Die Festtagstrachten der Schleifer Sorben sind mit zahlreichen Stickereien verziert, um die Besonderheit eines Anlasses zu unterstreichen. Da es für jeden Anlass in der Schleifer Region eine andere Tracht gibt, ist es nicht verwunderlich, das man insgesamt fast 50 Varianten zählen kann.

Das Leben der Sorben in der Region Schleife

Dieser Artikel basiert auf dem Buch „Mühlroser Generationen“ von Cordula Ratajczak (siehe „Bücher zum Thema “). Dieses beschäftigt sich zwar ausschließlich mit dem Dorf Mühlrose, die Lebensbedingungen in den benachbarten Dörfern Rohne und Mulkwitz waren und sind aber vergleichbar.

Das sorbische evangelische Schleifer Kirchspiel liegt zwischen den katholischen obersorbischen Gebieten der Oberlausitz rund um Bautzen und den evangelischen niedersorbischen Gebieten der Niederlausitz rund um Cottbus. Die relativ abgeschiedene Lage inmitten der Muskauer und Neustädter Heide führte unter anderem zur Ausprägung eines eigenen sorbischen Dialektes („Schleifer Dialekt“).

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Die sorbische Geschichte

Ab dem 6. Jahrhundert n. Ch. besiedelten slawische Stämme von Osten her Gebiete zwischen Elbe und Neiße bzw. zwischen Ostsee und Erzgebirge.

Im 9. Jahrhundert gelang es den Franken unter Karl dem Großen erstmalig, das Land der Slawen zu unterwerfen. Da immer wieder kriegerische Konflikte entbrannten, dauerte es noch 100 Jahre, bis der letzte Slawenaufstand im Jahr 1003 niedergeschlagen war. Die zwei verbliebenden slawischen Stämme, der Milzener und Lusitzer, sind die direkten Vorfahren der heutigen „Sorben“, wobei sich das Siedlungsgebiet bereits im 15. und 16. Jahrhundert auf die Lausitz, also das Gebiet der Lusitzer, verkleinerte. Im Jahr 1548 wurde das „Neue Testament“ von Miklaws Jakubica ins Sorbische übersetzt. Das bekannteste Schriftstück aber war der „Burger Eydt Wendisch“, also der Bürgereid der Stadt Bautzen.

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Sorben in der Niederlausitz

Im südlichen Teil von Brandenburg findet man das Siedlungsgebiet der Niedersorben, zu dem auch der Spreewald gehört. Da der Spreewald das Leben der Sorben stark prägt, ist es nicht verwunderlich, dass die niedersorbische Tracht auch als Spreewaldtracht bezeichnet wird. 

Wie fast jede Tracht besteht auch die niedersorbische Tracht aus verschiedene Varianten. Man unterscheidet zwischen Arbeits-, Kirchgangs-, Festtags-, Tanz- und Ausgehtracht. Die Erkennungsmerkmale der niedersorbischen Tracht sind die bestickten pastellfarbenden Halstücher sowie die kunstvoll gestalteten Rockbänder und Hauben. Desweiteren werden weiße Spitzen- oder bestickte Seidenschürzen über farbigen Wollröcken getragen. 

Der Höhepunkt des Jahres ist der „Zapust“. Dieser niedersorbische Fastnachtsbrauch wird drei Tage lang gefeiert und besteht aus dem Zampern, dem Festumzug der Trachtenpaare, dem Fastnachtstanz und dem Eieressen. Weitere typische Bräuche der Niedersorben sind das Ostereier verzieren, das Patengeschenk, das Osterfeuer, das Maibaumaufstellen, das Hahnrupfen, das Hahnschlagen, das Stoppel- bzw. Johannisreiten und in der Weihnachtszeit das Bescherkind.

Sorben in der Oberlausitz

In den Gebieten rund um Bautzen, Kamenz und Hoyerswerda leben heute noch mehr als 15000 katholische Sorben. 

In diesen Gebieten wird die sorbische Sprache alltäglich in den Familien und ganz besonders beim katholischen Gottesdienst gesprochen. Der Grund für die starke Verbreitung der sorbischen Sprache bis in die heutige Zeit ist, dass sie auf dem „Zweiten Vatikanischen Konzil“ der katholischen Kirche als Liturgiesprache und somit als Muttersprache anerkannt wurde.

Wie jede sorbische Region hat auch die katholische Region ihre ganz spezielle Tracht. Sie wird aus guten Wollstoffen und Seide gefertigt, besteht aber generell aus dunklen Farben und strengen Formen. Bei besonderen Anlässen werden Festtagstrachten getragen, die mit Perlnetzarbeiten und Plattstichstickereien verziert sind. 

Zu den Höhepunkten des Jahres gehört der Brauch des Osterreitens, der nur bei den katholischen Sorben zu finden ist. Bei diesem Brauch reiten Männer in Gehrock und Zylinder auf ihren geschmückten Pferden singend und betend von der Heimatkirche bis zum benachbarten Kirchspiel. Dabei  werden Kirchenfahnen, das Kreuz und die Statue des Auferstandenen mitgeführt. Am Ostersonntag finden neun Prozessionen statt, jeder Reiter soll dabei die Auferstehung Christi verkünden. Dieser bekannte Brauch wird seit dem Jahr 1490 mit großer Begeisterung durchgeführt. Weitere Bräuche der katholischen Region sind das „Heischesingen der Kinder“ zum Martins- bzw. Nikolaustag, die Ehrung der „Heiligen Barbara“, die Vogelhochzeit am 25. Januar, das Hexenbrennen am 30. April, das Maibaumaufstellen bzw. - werfen und das Kirchweihfest, auch Kirmes genannt.

Sorben in der Region um Hoyerswerda

Das Siedlungsgebiet der Sorben in der Hoyerswerdaer Region umfasst 28 Dörfer sowie die Altstadt  von Hoyerswerda.

Die evangelische sorbische Tracht ist mit ihren 60 Varianten eine der Ursprünglichsten des Sorbentums. Eine Hoyerswerdaer Tracht wird aus Wolle, Leinen und Baumwolle hergestellt, die an den Farben rot, grün, blau und weiß zu erkennen ist. Man verziert sie zudem mit Blaudrucken, Kreuzstich-, Loch-, Tüll- und  Plattstichstickereien. Die Alltags- und Sonntagstrachten weisen in den Dörfern um Hoyerswerda keine großen Unterschiede auf, die Fest- und Hochzeitstrachten sind dagegen um so vielfältiger. 

Zu den Besonderheiten der Region gehört das Zampern mit Fastnachtstanz, das Verzieren der Ostereier in Kratz-, Ätz- und Wachstechnik sowie das Osterfeuer am Ostersonntag. Im Herbst wird noch ein Stoppelreiten und ein Kartoffelball veranstaltet, um das Erntejahr zu beenden.