Die sorbische Geschichte

Ab dem 6. Jahrhundert n. Ch. besiedelten slawische Stämme von Osten her Gebiete zwischen Elbe und Neiße bzw. zwischen Ostsee und Erzgebirge.

Im 9. Jahrhundert gelang es den Franken unter Karl dem Großen erstmalig, das Land der Slawen zu unterwerfen. Da immer wieder kriegerische Konflikte entbrannten, dauerte es noch 100 Jahre, bis der letzte Slawenaufstand im Jahr 1003 niedergeschlagen war. Die zwei verbliebenden slawischen Stämme, der Milzener und Lusitzer, sind die direkten Vorfahren der heutigen „Sorben“, wobei sich das Siedlungsgebiet bereits im 15. und 16. Jahrhundert auf die Lausitz, also das Gebiet der Lusitzer, verkleinerte. Im Jahr 1548 wurde das „Neue Testament“ von Miklaws Jakubica ins Sorbische übersetzt. Das bekannteste Schriftstück aber war der „Burger Eydt Wendisch“, also der Bürgereid der Stadt Bautzen.

Ab dem 19. Jahrhundert entwickelte man eine einheitliche ober- und niedersorbische Schriftsprache, um Schriftstücke nicht mehr in verschiedenen Dialekten drucken zu müssen bzw. eine gemeinsame Sprachforschung betreiben zu können. Nach der französischen Revolution entstanden die sorbischen Farben „blau – rot – weiß“, die auch auf der Flagge der Sorben zu finden sind.

Im Jahr 1912 wurde die Domowina, der Dachverband der Sorben, gegründet. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges erließ die Weimarer Republik erstmalig ein Gesetz über die Anerkennung der Sorben. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten versuchte man, die sorbische Sprache zu verbieten. Als das nicht gelang, wurden die Sorben als „sorbisch sprechende Deutsche“ akzeptiert. Erst im Jahr 1937 ging man drastisch gegen die sorbische Bevölkerung vor, indem man sorbische Vereine wie die Domowina verbot und deren Eigentum konfiszierte. Desweiteren wurden sorbische Lehrer aus der Lausitz verbannt, sowie sämtliche sorbische Zeitungen und Zeitschriften bis Ende des Zweiten Weltkrieges verboten.

Am 10. Mai 1945 wurde die Domowina neu gegründet und es entstand ein Sorbischer Nationalausschuß. Der sächsische Landtag verabschiedete bereits 1948 ein „Gesetz zur Wahrung der Rechte der sorbischen Bevölkerung“. Zu DDR-Zeiten wurden die Sorben von staatlicher Seite gefördert, unter der Bedingung, dass sie sich an die Richtlinien der SED zu halten haben. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands mussten Schwierigkeiten wie die Neuordnung der Ländergrenzen bewältigt werden. Um diese und andere Probleme zu lösen, konnte man auf die Hilfe der Bundesrepublik und der Domowina bauen.

So entstand 1991 die „Stiftung für das sorbische Volk“, die sich bis heute für den Erhalt der „sorbischen Minderheit in Deutschland“, also des sorbischen Volkes, einsetzt.