Neues Kupferbergbau

Zwischen Spremberg (Brandenburg) und Weißwasser (Sachsen) befindet sich in über 1000m Tiefe ein Kupfervorkommen. Nachdem zu DDR-Zeiten eine begonnene Erschließung abgebrochen wurde, gewannen im Jahr 2007 eine polnische (um Weißwasser) und eine panamesiche (um Spremberg) Firma eine Ausschreibung zur Erkundung dieses Vorkommens.

Lausitzer Rundschau, 18.09.2008

Kupferleute ziehen in Sprembergs Lange Straße

Die Kupferschiefer Lausitz (KSL) GmbH wird noch im November dieses Jahres in den Räumen über der Sparkasse Spree-Neiße in der Langen Straße in Spremberg ihr Büro einrichten.

Das bestätigte am Dienstag KSL-Geschäftsführer Dr. Eike von der Linden den über 200 Bürgern, die zur Vorstellung des Kupferbergwerks in Spremberg gekommen waren. Mit dem Aufbau des Betriebes in den Jahren 2011 bis 2014 sollen 500 bis 1000  Menschen beschäftigt und regionale Firmen und Arbeitnehmer verstärkt nachgefragt sein. Und 900 direkte Arbeitsplätze werden von Linden zufolge entstehen, wenn im Jahr 2015 die Kupferförderung beginnt.
 

Groß war das Interesse an den Vorhaben der KSL, der hundertprozentigen Tochtergesellschaft der internationalen Bergbaugesellschaft Minera S. A. Bürgermeister Dr. Klaus-Peter Schulze (CDU) und Landrat Dieter Friese (SPD) konnten Kommunalpolitiker aus der Stadt und Spree-Neiße begrüßen. Auch der zum neuen Amtsdirektor gewählte Günter Quander (parteilos) und mehrere Abgeordnete aus Gemeinden des Amtes Döbern-Land waren da. Sitzplätze hatten mehrere Senioren ergattert, die an der Erkundung der Lausitzer Kupfervorkommen zu DDR-Zeiten bis zum Jahr 1980 mitgearbeitet und die es damals aus dem Mansfelder Land nach Spremberg verschlagen hatte. Aber auch junge Menschen lauschten stehend im Saal oder im Nebenraum gespannt und stellten kritische Fragen.

Lärmbelastung hinterfragt

Eine Grausteinerin wollte wissen, welche Lärmbelastung von den Bohrungen ausgehen wird. Wo werden die Aufbereitungsanlagen stehen? Und wenn keine Schlammteiche vorgesehen seien, wo und wie werden die aus der Erde geholten Stoffe dann gelagert? Klaus Grüneberg und Benny Blatz (beide SPD) regten einen frühzeitigen Beginn der Ausbildung an und wollten wissen, wann und wie sie überhaupt in Angriff genommen werde. Klaus John aus Weskow, der vor rund 30 Jahren junge Leute für die Kupferförderung ausgebildet hatte, wünscht sich eine Geschäfts- und Informationsstelle fürs Kupfervorhaben in Spremberg und will auch mal einfahren dürfen in die Doppelschachtanlage. Bergbaustudent Christoph Kulisch interessierte, ob sich das Kupferbergwerk und der Braunkohletagebau ins Gehege kommen, und würde gern seine Diplomarbeit mit der KSL an der Seite schreiben.

Der Bohrlärm werde auf keinen Fall den Lärm übertreffen, der jetzt von der B 156 ausgeht, so Eike von der Linden. Im Januar 2009 beginne die Firma Angers Söhne mit den ersten der insgesamt zwölf Bohrungen. In einem Zeitraum von 15 bis 18 Monaten – im Jahr 2010 soll die Entwicklungsphase abgeschlossen werden – dürften alle Bohrungen geschafft sein. Zwei bis drei Monate, so schätzt von der Linden ein, würden pro Bohrloch gebraucht. Klaus Freytag, Präsident des brandenburgischen Bergamtes, sicherte zu, dass die KSL die strengen europäischen und deutschen Umweltrichtlinien erfüllen müsse. "Ich habe aber keine Bedenken. Zudem ist die Bohrfirma keine Wald- und Wiesenfirma, sondern vertraut mit Bohrungen in solchen sensiblen Bereichen", so Freytag. Für jeden Bohrort werde etwa die Hälfte eines Fußballplatzes beansprucht. Für die vorübergehende Nutzung von Grundstücken würden Vereinbarungen mit den Grundstückseigentümern getroffen. Nach dem Abschluss der Bohrungen solle wieder der Ursprungszustand der Fläche hergestellt werden.

Mit Transportband über die Straße

Im Jahr 2011 starte der Bau des Werkes, wenn er genehmigt wird. Ein 14 Hektar großes Gelände im Industriegebiet Spremberg-Ost werde für den Industriebau und die Aufbereitungsanlagen gebraucht. Die Doppelschachtanlage solle auf der anderen Seite der B 156 entstehen. Auf einem Transportband über die Bundesstraße hinweg laufe das Erz in die Aufbereitungsanlage, erklärt von der Linden. "Aufbereitungsabgänge werden bereits während des Bergwerksbetriebs als Versatz unter Tage eingebracht. Dadurch verhindern wir Bergschäden. Ein Teil der Abgänge und das Gestein vom Schachtabteufen wollen wir auf der Kippenseite eines Tagebaus einlagern. Somit entstehen keine Schlammteiche und auch keine Berghalden über Tage. Und das Wasser, das aus dem Bergwerk gepumpt wird, wird so geklärt, dass es den Einleitungsvorschriften in die Spree entspricht", sagt der KSL-Geschäftsführer.

Ein Zug fährt pro Tag nach Hamburg

Ein Güterzug pro Tag fahre das Kupfererz vom Gleisanschluss im Industriegebiet Spremberg-Ost in die Nordeutsche Affinerie, einer Kupferhütte in Hamburg. Acht Millionen Tonnen Kupfererz wolle die KSL pro Jahr so auf den Weg bringen. Das entspreche einer Produktion von 100 000 Tonnen Kupfer. Gebraucht würden für den Kupferbergbau in Spremberg 900 Arbeitskräfte. Soweit wie möglich soll das Personal aus der Region kommen und für die Kupferförderung ausgebildet werden. Gebraucht würden beispielsweise Elektriker, Maschinen- und Anlagenführer, Maschineningenieure und Hauer. Spezialisten aus dem Ruhrgebiet und aus dem Saarland werden Eike von Linden zufolge zur Anleitung dazustoßen. Hinzu kämen noch einmal 900 Arbeitsplätze in Dienstleistungs- und Zuliefererbetrieben. "Die Fachkräfteentwicklung liegt uns hier sehr am Herzen. Wir haben dafür noch sieben Jahre Vorlauf und werden die Firmen, die das Bergwerk bauen, bitten, mit für uns auszubilden", sagt von der Linden. Und mit dem Land, der Stadt und dem Landkreis wolle er jetzt schnellstens auch über den Fachkräftebedarf reden. Junge Männer – und natürlich auch Frauen – sollten sich mit dem Kupferbergbau auseinandersetzen, ermutigt Sophie Berger, Diplom-Ingenieurin und anerkannte Markscheiderin bei der KSL. Sie selbst habe ihren Schreibtisch zwar "oben", vermesse allerdings oft unter Tage und wolle nun mit dem Unternehmen nach Spremberg ziehen.

Bis zu den Jahren 2035 / 2040 solle das Kupfer zwischen Spremberg und Graustein und bei Schleife abgebaut sein.

Von Annett Igel