Neues Kupferbergbau

Zwischen Spremberg (Brandenburg) und Weißwasser (Sachsen) befindet sich in über 1000m Tiefe ein Kupfervorkommen. Nachdem zu DDR-Zeiten eine begonnene Erschließung abgebrochen wurde, gewannen im Jahr 2007 eine polnische (um Weißwasser) und eine panamesiche (um Spremberg) Firma eine Ausschreibung zur Erkundung dieses Vorkommens.

Lausitzer Rundschau, 12.09.2008

900 Arbeitsplätze angepeilt

Kupferabbau in der Lausitz kann 2015 beginnen

Die Kupferschiefer Lausitz GmbH (KSL) hat in Berlin das Startsignal für den Bau eines Kupfererzbergwerkes in Spremberg (Spree-Neiße) gegeben. Die Region hofft auf einen Motor für den Arbeitsmarkt.

Das eigens gegründete deutsche Tochterunternehmen des amerikanischen Bergbaukonzerns Minera S.A. reichte die bergrechtlichen Betriebspläne bei den Bergämtern Brandenburgs und Sachsens ein. Gleichzeitig wurden Bohr- und Seismikfirmen für vorbereitende Feldarbeiten unter Vertrag genommen, die im Januar 2009 beginnen sollen. Das Projekt wird insgesamt rund 700 Millionen Euro kosten und soll ab 2015 etwa 900 Menschen im Bergbau und noch einmal so vielen bei Dienstleistungs- und Zulieferfirmen ein Einkommen sichern.

«Das ist nicht nur für Spremberg großartig, sondern wird in die gesamte Region bis nach Ostsachsen ausstrahlen, so wie schon die Ansiedlung der Papierfabrik. Allerdings geht es hier um ein Mehrfaches an Arbeitsplätzen» , freut sich Sprembergs Bürgermeister Klaus-Peter Schulze (CDU) über das lang ersehnte Job-Wunder. «Die Kaufkraft wird steigen und jungen Leuten eine langfristige Perspektive eröffnet.»


Schulze ist eigens nach Berlin gereist, um beim offiziellen Startschuss für das Spremberger Kupfererzbergwerk dabei zu sein. Damit hat das Warten ein Ende. Die Aufsuchungsarbeiten, für die gestern die erforderlichen bergrechtlichen Betriebspläne zur Genehmigung eingereicht wurden, beginnen mit mehr als einem Jahr Verzögerung. Weil zwei Mitbewerber gegen die im Juni 2007 vom Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) Brandenburg und dem Sächsischen Oberbergamt erteilte Aufsuchungsgenehmigung Widersprüche eingelegt hatten. Diese wurden im April 2008 zurückgewiesen und die Vorrangentscheidung zugunsten von Minera bestätigt (die RUNDSCHAU berichtete).


Noch läuft eine Klage des Mitbewerbers Lausitzer Grauwacke, Unternehmen der Tarmac-Gruppe, gegen die Entscheidung der Bergbehörden, wie gestern bestätigt wurde. Allerdings habe das Unternehmen schriftlich erklärt, dass es davon Abstand nimmt, gegen den von KSL im Juni 2008 beantragten und inzwischen von den Ämtern bestätigten Sofortvollzug der Aufsuchungsgenehmigung vorzugehen. Damit sei auszuschließen, dass der Streit dem Minera-Projekt in der Lausitz einen Strich durch die Rechnung macht, betont KSL-Geschäftsführer Dr. Eike von der Linden.


Gut vorbereitet in Spremberg

In dem inzwischen verstrichenen Jahr waren die Beteiligten – allen voran die Spremberger Volksvertreter – nicht untätig. Im Gegenteil, es ist vieles bereits organisiert, wie Schulze betont. «Die Firmen wissen, wo sie ihre Mitarbeiter unterbringen können. Der Eigenbetrieb Grundsicherung ist darauf eingestellt, für die nötigen Hilfsarbeiten geeignete Langzeitarbeitslose zu vermitteln. Und wir haben Einigung erzielt, dass aus dem Haushalt Mittel für den Bau einer zusätzlichen Erschließungsstraße zum Industriegebiet Ost umgeschichtet werden» , zählt er auf.


Der Förderturm werde etwa 500 Meter vom Industriegebiet Ost entfernt errichtet. Der damals für das Gewerbegebiet gebaute und oft belächelte Gleisanschluss erweise sich nun als «Riesenvorteil, denn das Unternehmen will pro Jahr acht Millionen Tonnen Kupfererz auf den Weg bringen» , so Schulze.


Bis es soweit ist, dass diese Menge in eine Kupferhütte gebracht werden kann – nach Aussage von KSL-Geschäftsführer von der Linden wird das voraussichtlich die Norddeutsche Affinerie in Hamburg sein – werden noch etwa sieben Jahre vergehen.


Der Aufschluss der Kupfer-Lagerstätte Spremberg-Graustein-Schleife ist in drei Etappen geplant:

Erste Etappe ist die Entwicklungsphase 2009 bis 2010. In der Zeit werden geophysikalische Feldarbeiten und Bohrungen durchgeführt, um die Kupfererzvorräte zu bestätigen. «Wir können ausschließen, dass wir nichts finden und es am Ende kein Kupfererzbergwerk geben wird. Nichtsdestotrotz müssen wir Qualitätsbohrungen durchführen, um internationalen Banken die Finanzierungswürdigkeit des Projektes nachzuweisen» , erklärt er. Parallel dazu würden eine definitive Machbarkeitsstudie und die Genehmigungen für die Errichtung eines Bergwerkes abgewickelt, so der KSL-Chef.

Die zweite Etappe folgt von 2011 bis 2014 mit dem Bau des Kupfererzbergwerkes an der B 156 – die Kupfervorkommen liegen in einer Tiefe von 800 bis 1300 Metern.


Ausbildung wird mit organisiert

«Während der Bauphase werden 500 bis 1000 Beschäftigte von Bau- und Anlagenfirmen für das Projekt arbeiten» , kündigt von der Linden an.


Die dritte Etappe umfasst den planmäßigen Betrieb des Bergwerks ab 2015. «Dafür brauchen wir allein 900 Fachleute. Der überwiegende Teil wird aus der Region kommen» , betont von der Linden. Die Ausbildung werde von der KSL zu organisieren sein und zum Teil von Vertragsfirmen übernommen. «Es ist nicht auszuschließen, dass auch Spezialisten aus dem Ruhrgebiet zu uns stoßen, da dort zwischen 2011 und 2014 zwei Zechen geschlossen werden.» Von der Linden rechnet damit, dass im Umfeld weitere 900 Arbeitsplätze bei Diensteistungs- und Zulieferfirmen entstehen.



 
Die Lausitzer Kupfer-Lagerstätte
Die Lagerstätten Spremberg und Graustein enthalten 130 Millionen Tonnen gewinnbares Kupfererz mit 1,4 Prozent Kupfer – das sind 1,5 Millionen Tonnen Kupfermetall nach der Aufbereitung und Verhüttung.
Bei einem Abbau von circa acht Millionen Tonnen Kupfererz pro Jahr ermöglichen die Vorräte in Spremberg und Graustein eine Lebensdauer des Bergwerkes von etwa 18 Jahren. Acht Millionen Tonnen Kupfererz entsprechen etwa der Produktion von 100 000 Tonnen Kupfermetall.
Weitere potenzielle Vorräte unter anderem im Bereich Schleife werden auf 50 Millionen Tonnen Kupfererz geschätzt. Damit würde sich die Lebensdauer auf 25 Jahre verlängern.
Die Nachfragelücke ist nach Aussage der Experten so groß, dass pro Jahr zusätzlich neun Millionen Tonnen Kupfermetall nötig wären. «Das heißt, es sind im Vergleich mit dem Spremberger Projekt 90 derartige Bergwerke nötig, um die Nachfrage zu decken.»