Neues Politik/Planung

Neues aus Politik und Landesplanung, z.B. Pläne für neue Tagebaue in Südbrandenburg.

Das Thema Tagebau ist in Atterwasch allgegenwärtig


Lausitzer Rundschau, 10.01.2009

Den Auftakt der Ortsrundgänge in den Dörfern der Gubener Region hat die LAUSITZER RUNDSCHAU am Donnerstag in Atterwasch vollzogen. Treffpunkt war der Hof von Ortsvorsteher und Landwirt Ulrich Schulz. Schnell wurde während des Gespräches klar: Alles dreht sich im Ort um den drohenden Tagebau, immer wieder führte das Gespräch zu diesem Problem zurück.

„Natürlich gäbe es einiges, das wir hier gern machen würden. Der Hang hinter der Feuerwehr sollte zum Beispiel saniert werden“, sagt Ortsvorsteher Schulz. „Aber vor dem Hintergrund? Das Geld der Gemeinde ist eh schon knapp.“ Da sei es verständlich, dass sehr zurückhaltend in puncto Investitionen vorgegangen werde.

„Im vorigen Jahr ist uns der Schreck in die Glieder gefahren“, blickt Gerhard Petke auf die Zeit zurück, als Vattenfall seine Pläne für einen künftigen Tagebau Jänschwalde Nord bekannt gab, wonach Atterwasch, Kerkwitz und Grabko dem Tagebau weichen sollen. „Da reichten die Reaktionen von Resignation bis zu zornigem Aufbegehren“, sagt Petke. Inzwischen habe sich die Stimmung ein wenig gewandelt. „Wir wollen das Dorf erhalten.“ Und für den Fall, dass das nicht gelinge, sei eines entscheidend: „So lange leben wir ja hier.“

Unter diesem Aspekt stünden auch andere Themen, die sich im Dorf stellen. So sei eine Streuobstwiese angelegt worden. Dort gehe es jetzt um Nachhaltigkeit. Die Wiese müsse gepflegt werden, so Petke. Auch auf dem Friedhof sei einiges passiert. Schlecht sei aus seiner Sicht allerdings, dass der Abfall komplett in einen Container komme, nicht getrennt werde. An diesem Zustand werde sich aber nichts ändern, sagte Ulrich Schulz.

Kritik geübt wurde an der Tatsache, wie im Dorf Informationen an den Mann und die Frau gebracht werden. Dafür stehe nur eine Tafel zur Verfügung. Und dort sei erst sehr spät der 2. Sternmarsch der vom Tagebau bedrohten Dörfer am vorigen Sonntag angekündigt worden. Trotzdem hätten so viele Atterwascher wie im Jahr 2008 an dem Marsch teilgenommen, schätzten die Teilnehmer des Gespräches ein.

Womit sie wieder beim Thema Nummer 1 landeten: Für das Jahr 2035 plane Vattenfall die Überfahrung des Dorfes, die Beräumung solle demnach spätestens 2025 abgeschlossen sein. „Wir können ja jetzt nicht alles aufgeben. Und es kann auch nicht sein, dass wir hier in den letzten zehn Jahren wie auf einer Müllhalde leben“, sagte Karl-Heinz Wratsch, Campingplatzbetreiber am Deulowitzer See. „Da ist Vattenfall ganz klar in der Verantwortung.“

Wratsch nannte auch ein Beispiel dafür, dass die Atterwascher von einigen bereits abgeschrieben sind. Im Dorf wünsche man sich einen ordentlichen DSL-Anschluss. Ein Unternehmen habe nur abgewunken, als es den Namen Atterwasch hörte.

Und auch im Dorf selbst gibt es verschiedene Ansichten, wie der Ortsvorsteher deutlich machte. Einige würden sagen, dass sie mit Vattenfall nichts zu bereden hätten, andere meinten hingegen, dass man das Beste aus der Situation machen müsse.

Für Ulrich Schulz ist unterdessen klar: „Das Volksbegehren wäre unsere große demokratische Chance.“ Er hoffe weiter, dass sich noch möglichst viele Menschen in die Listen eintragen.

Für einen Einblick in das Seelenleben der Atterwascher sorgte Helga Richter, die zugleich auch als Gemeindevertreterin tätig ist: „Das belastet uns alle sehr. Manche fragen sich: Machst du das noch? Steckst du da noch Kraft und Finanzen hinein? Immerhin ist der überwiegende Teil der Einwohner über 50 Jahre alt. Es gibt auch viele, die sagen, dass sie das nicht mehr erleben.“

Karl-Heinz Wratsch ergänzte: „So ein Haus hat man ja mit den eigenen Händen aufgebaut. Dazu hat man ja eine ganz andere Beziehung. Das ist ja ein Lebenswerk, das da zerstört werden soll.“

Sabine Nitschke ist weiterhin optimistisch, dass Atterwasch erhalten bleiben kann. Sie setzt nicht zuletzt auf die rechtlichen Möglichkeiten, die die Dörfer im Fall der Fälle ausschöpfen wollen. „Bei Horno ist damals DDR-Recht angewendet worden. Heute gilt aber EU-Recht.“

Letztlich waren die Teilnehmer der Runde sich einig: Die Hauptaufgabe in den nächsten Jahren ist, das Dorf zu erhalten und es nicht schon jetzt aufzugeben. Das gelte auch im privaten Bereich. Nicht akzeptabel sei hingegen die Aussage von Landrat Dieter Friese (SPD), die Einwohner sollten sich die Türklinken vergolden lassen, machte Ortsvorsteher Ulrich Schulz deutlich.