Neues Politik/Planung

Neues aus Politik und Landesplanung, z.B. Pläne für neue Tagebaue in Südbrandenburg.

Kerkwitz soll zuerst weichen


Lausitzer Rundschau, 17.12.2008

Für Kerkwitz, Atterwasch und Grabko (Spree-Neiße) läuft seit Dienstag das Umsiedlungsverfahren. Vattenfall Europe Mining & Generation hat die Planungsunterlagen für das Tagebaufeld Jänschwalde Nord eingereicht. Dabei sollen erst Kerkwitz (2030), dann Atterwasch (2035) und später Grabko (2041) abgebaggert werden.

Ortsbürgermeister Ulrich Schulz bekam die schlechte Nachricht schon Anfang vergangener Woche: Der Tagebau Jänschwalde Nord erfasst ganz Atterwasch. "Wir hatten immer noch gehofft, dass wenigstens ein Teil unseres Dorfes erhalten bleibt." Für Schulz und die meisten Atterwascher sei das aber nur ein Grund mehr, "mit allen Mitteln" gegen die Abbaggerung zu kämpfen.

Anfang Dezember waren Vertreter von Vattenfall auch in den beiden anderen bedrohten Orten gewesen, außerdem in den künftigen Tagebaurand-Dörfern Taubendorf und Groß Gastrose. Die Planer hatten Karten mitgebracht, auf denen die Ausdehnung des beantragten Tagebaus Jänschwalde Nord eingezeichnet war. Rund 3100 Hektar umfasse er und berge 250 Millionen Tonnen Rohbraunkohle in sich. Ab Mitte der 2020er-Jahre, so die Vattenfaller, soll der Rohstoff im bis dahin modernisierten Kraftwerk Jänschwalde klimafreundlich verstromt werden.

Kampf gegen die Abbaggerung

Noch interessanter für die Zuhörer in den fünf Dörfern waren die Auskünfte Vattenfalls über den Tagebau-Ablauf. Er werde sich erst nordöstlich parallel zur Neiße in Richtung Guben bewegen, hieß es, dann gegen den Uhrzeigersinn gen Westen abschwenken. Mit dieser Stoßrichtung erreiche der Tagebau 2030 zunächst Kerkwitz, fünf Jahre später Atterwasch, 2041 schließlich Grabko. Bereits 2018 beginnt der Energiekonzern mit dem Bau einer Dichtungswand, die bis 2025 das gesamte Förderfeld eingrenzen soll. 2022 setzen erste Abraumbewegungen ein. Die Haushalte in den Dörfern würden nach dem Wand-Einbau selbstverständlich weiter mit Wasser versorgt, so ein Vattenfall-Sprecher. Die Kerkwitzer hätten bei dem Vattenfall-Besuch vor allem zugehört und Informationen aufgenommen, so der Eindruck des Kerkwitzer Bürgermeisters Roland Lehmann. Die geplante Abbaggerung sei schließlich bereits seit September 2007 bekannt. "Nur eben die Details noch nicht", so Lehmann. Die Kerkwitzer, daran hat der Bürgermeister keinen Zweifel, werden um ihr Dorf kämpfen. Wenn sich manch einer mit dem Gedanken an einen neuen Wohnort – verbunden mit der finanziellen Hilfe Vattenfalls – anfreunden kann, sei das legitim und sorge im Ort nicht für Unfrieden.

Neue Wohnorte kein Thema

Lehmanns Nachbar-Bürgermeister Ulrich Schulz aus Atterwasch macht allerdings die eher schwache Beteiligung der Schenkendöberner bei der Volksinitiative gegen neue Tagebaue in Brandenburg Sorgen. 3700 Menschen wohnen in der Gemeinde, zu der auch die drei bedrohten Dörfer gehören. Nur 533 jedoch, so Schulz, haben bis jetzt bei der Volksinitiative unterschrieben. "Ich habe mir da etwas mehr versprochen." Dennoch ist sich Schulz sicher, dass das Gros der Atterwascher "den Tagebau um jeden Preis verhindern" will. Beide Bürgermeister gestehen Vattenfall zu, mit den Betroffenen fair umzugehen. "Es war unser Wunsch", sagt Schulz, "dass zuerst in den Dörfern detailliert informiert wird, bevor die Öffentlichkeit etwas erfährt." Dieses Verhalten hätte der Ortsbürgermeister vergangenes Jahr auch von der Landesregierung erwartet. "Damals mussten wir aus der Zeitung erfahren, dass unser Dorf abgebaggert werden soll."Noch kein Thema bei den Informationsveranstaltungen waren neue Wohnorte für Umsiedler. Es sei lediglich angedeutet worden, dass nur solche Standorte infrage kämen, wo Braunkohle keine Rolle spielt, so Lehmann. Wenn er sich Brandenburg ansehe, erscheine ihm das jedoch "eher schwierig".

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