Neues Abbaugebiet 2

Vattenfall hat die Erweiterung des Tagebau Nochten beantragt. Das Planverfahren dazu läuft.

Lausitzer Rundschau, 03.03.2010

Rohner sehen sorbische Kultur in Gefahr

Rohne -  Der Ortschaftsrat Rohne lehnt eine weitere Ausdehnung des Tagebaus Nochten bekanntlich konsequent ab und weist deshalb jetzt auch den Entwurf zur Fortschreibung des Braunkohlenplanes von 1994 für den Tagebau Nochten zurück. Darauf hat sich das Gremium in seiner jüngsten Sitzung verständigt, so Ortschaftsratsvorsitzender Jörg Funda gegenüber der RUNDSCHAU

Rohne gehört zu jenen Dörfern, die bei der Inanspruchnahme des so genannten Vorranggebietes durch Vattenfall abgebaggert werden würden. Insgesamt wären 1550 Menschen in den Gemeinden Schleife und Trebendorf betroffen. Rohne will das nicht.

Denn: „Durch den bestätigten 1994er-Plan werden den Bürgerinnen und Bürgern bereits erhebliche Belastungen zugemutet.“ Der Eingriff sei, so Funda, eine dauerhafte und nicht wieder kompensierbare Belastung, deren Folgen nicht abgeschätzt werden könnten. Die Rohner, die sich umfassend mit den Planungsunterlagen auseinandergesetzt haben, vermissen darin konkrete Aussagen über die Auswirkungen auf die Menschen und sehen im Verhältnis dazu die positiven Aspekte für den Bergbautreibenden zu stark gewichtet.

„Durch den bestätigten 1994er-Plan werden den Bürgerinnen und Bürgern bereits erhebliche Belastungen zugemutet.“

Funda und dessen Mitstreiter befürchten existenzielle Gefahren für die sorbische Minderheit und ihre Kultur. Denn wenn das Vorranggebiet fällt, würden mit Rohne und Mulkwitz nicht nur beide Schleifer Ortsteile und halb Schleife von der Bildfläche verschwinden. Hinzu käme, dass damit gerechnet werden muss, über 30 Prozent der Einwohner im Zuge der Umsiedlung an andere Orte zu verlieren. Der Ortschaftsrat bezieht sich damit auf vorliegende Experten-Meinungen. „Ein derartiger Substanzverlust ist nicht hinnehmbar“, so der Ortschaftsrat.

Sicherlich sei es schwer, emotionale Aspekte in Dokumenten dieser Art darzustellen, räumt der Ortschaftsrat ein. Für diesen sei es nicht nachvollziehbar, dass es offensichtlich doch einfacher ist, ingenieurtechnische Lösungen zu beschreiben, als die dem Menschen wichtige Dinge in nichtmaterieller Hinsicht zu erfassen. Dazu zählen die Rohner: Umgebung, Kultur, Tradition, Geschichte und so einfache, jedoch unabdingbare, Dinge wie Gefühle, Sehnsucht, Heimat und Verlust.

Die Einbeziehung von Experten wie zum Beispiel Soziologen und Psychologen in die Arbeit des Regionalen Planungsverbandes würde nach Auffassung der Rohner Ortschaftsräte zu einer neuen Qualität der Planungen führen und würde eine bessere Abwägung zulassen. ni