Neues Initiativen/Protest

Spätestens seit Horno regt sich in der Lausitz Widerstand gegen die Braunkohlenförderung. Neues dazu hier.

Bürgerinitiative gegen Bergbauschäden in Weißwasser gegründet


Lausitzer Rundschau, 30.01.2009

Weisswasser. Donnerstagabend, Gasthof „Alte Schmiede“. Der Saal ist voll. Wieder mal. Mittlerweile ist es die dritte Infoveranstaltung zum Thema Bergbauschäden. Mit-Organisator Sven Schmied: „Ich freue mich, dass wieder so viele gekommen sind. Heute kann ich Ihnen mitteilen: Der Verein steht.“
Etwa zwei Stunden zuvor wurde der Bürgerinitiative Bergbauschäden – Lausitz e.V. an gleicher Stelle offiziell gegründet. „Wir haben den Namen mit der Lausitz bewusst weit gefächert, um Ansprechpartner für möglichst viele Betroffene zu sein“, so Schmied. 19 Gründungsmitglieder stimmen der vorgelegten Satzung einstimmig zu. Später wird das neue Führungsgremium gewählt.

Dem gehören die Vorstandssprecher Sven Schmied (Vorsitzender), Ernst Opitz und Peter Bartoschek, Kassierer Wolfgang Uetzfeld sowie die Beisitzer Werner Lehradt, Daniel Rapp und Ute Zschippang an. Doch zurück zur Abendveranstaltung. Es wird informiert, diskutiert. Sachlich, aber auch emotional. „Wenn man mit offenen Augen durch die Stadt geht, kommt das Interesse nicht von ungefähr“, bemerkt Sven Schmied. Mut macht den Besuchern Stadtrat Knut Olbrich. Von der Schadensmeldung am 18. Mai 2000 bis zur Bauabnahme im Juli 2003 beschrieb er seinen mühsamen, aber letztendlich erfolgreichen Kampf um die Anerkennung und Beseitigung von Bergbauschäden. Aus seiner Erfahrung gab er anderen Betroffenen aber mit auf den Weg: „Wenn Sie nicht drei Jahre kämpfen wollen, organisieren sie sich im Verein.“

Zu diesem gehört auch eine Arbeitsgemeinschaft mit Peter Müller, Betreiber eines Architekturbüros für Statik und Planung sowie Axel Diele, Sachverständiger für Bergschäden. Ihr Ziel ist die Erstellung eines Bergschadenskatasters, in dem alle gemeldeten Schäden dokumentiert werden. „Eine Konzentration an bestimmten Stellen kann die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass es sich hier um Bergbaubedingte Schäden handelt“, bekräftigt Hans Krönert vom Freien Sachverständigenbüro für Sanierung und Geologie in Weißwasser.

Postive Zwischenbilanz

Drei wichtige Punkte sieht er für die zukünftige Arbeit des Vereines: die Organisation vieler Betroffener, die Einbindung von Fachleuten und politisches Gehör. Die Zwischenbilanz? Überaus positiv. Peter Müller ist überzeugt: „Hier entsteht ein riesiges Gewächs, das nun zu blühen beginnt“. Dafür spricht einiges. Stichwort Organisation. „Neben den mittlerweile 21 Mitgliedern haben wir weitere zehn Mitgliedsinteressenten“, erläutert Sven Schmied. Dazu die Arbeitsgemeinschaft mit den Fachleuten Axel Diele und Peter Müller. „Wir bieten jedem Vereinsmitglied die Möglichkeit, uns hinzuzuziehen, wenn das Bohrteam des Bergbauunternehmens kommt. Da können sie sicher sein, dass mit ihnen ganz anders umgegangen wird“, so Axel Diele. Punkt drei: das politische Gehör. „Am 2. Februar wird es ein Gespräch zwischen dem Oberbürgermeister und unserem Verein geben“, kann Sven Schmied vermelden

Interview-Zitat

Schon auf der Veranstaltung zitiert Schmied aus dem Rundschau-Interview mit Hartwig Rauh vom 30. Dezember 2008, in dem das Stadtoberhaupt die Möglichkeit finanzieller Untertstützung eines Gutachtens ansprach. „Das ist doch schon etwas“, so Sven Schmied. Ein positives Resümee der bisherigen Arbeit zieht auch Werner Lehradt, der als Inhaber der „Alten Schmiede“ selbt betroffen ist. „Im Jahr 1992 übernahmen wir das Gebäude. Vier Jahre später wurden Dach und Fassade komplett saniert“, erklärt er. Heute weist das Haus unter anderem Risse in Wänden und Fassade auf, Hofbereich und Parkplatz haben sich gesenkt.

Von der Arbeit überzeugt

„Doch bei den Vermessungen, die Vattenfall alle drei Monate durchführt, werden keine Schäden festgestellt“, meint Werner Lehradt. Und weiter: „Unser Fachmann, Herr Diele, erklärte mir, dass bei den festgelegten Messpunkten auch in fünf Jahren keine Veränderungen festzustellen sein werden. Da fühlt man sich echt ver.....“. Auch ein Grund, warum sich Werner Lehradt seit Beginn der Bürgerinitiative und jetzt auch im Verein engagiert. „Wenn ich etwas anpacke, dann entweder ganz oder gar nicht. Und von der Arbeit des Vereines bin ich überzeugt“, so Lehradt.



Kontaktdaten und mehr

Neue Mitglieder können dem Verein Bürgerinitiative Bergbauschäden – Lausitz e.V. jederzeit beitreten. Die einmalige Aufnahmegebühr beträgt 50 Euro, der Jahresbeitrag beläuft sich auf 24 Euro.

Die Kontaktadresse des neu gegründeten Vereines lautet:

Berliner Straße 78
02943 Weißwasser
Tel.: 03576 / 205319,
Von Alexander Mader