Neues Initiativen/Protest

Spätestens seit Horno regt sich in der Lausitz Widerstand gegen die Braunkohlenförderung. Neues dazu hier.

Sternmarsch in Spree-Neiße als Herzenssache

Lausitzer Rundschau, 05.01.2009

Der zweite Sternmarsch von Bewohnern der vom Braunkohletagebau Jänschwalde-Nord bedrohten Dörfer Atterwasch, Grabko und Kerkwitz in der Gemeinde Schenkendöbern hat am Sonntag nach Angaben des Koordinators des Volksbegehrens „Keine Neuen Tagebaue“, Falk Hermenau, etwa 450 Demonstranten vereint.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der Aufruf zu mehr Initiative für den Erhalt der Heimat, mehr Aktionen gegen die Devastierung und für mehr Beteiligung am Volksbegehren. Dem Sternmarsch, der in Grabko, Atterwasch und Kerkwitz am frühen Nachmittag begonnen hatte, schlossen sich viele Bewohner der Region an. Aus Guben war Joachim Speichert gekommen. Er verfolge schon lange die Diskussion um die Reduzierung des Schadstoffausstoßes sowie den Emissionshandel und sehe im Anwachsen des weltweiten Kohlendioxydausstoßes eine Gefahr für Menschen und Umwelt. 

 

Wachsende Umweltprobleme befürchten auch Eberhard Schneider aus Schlagsdorf und Karl-Heinz Helm aus Groß Gastrose. Beide arbeiten in der regionalen Landwirtschaft und sehen den Wasserhaushalt massiv gefährdet. Zunehmende Trockenheit werde die Ertragslage negativ beeinflussen, sind sich beide einig.

Für den Groß Gastroser Karl-Heinz Helm gab es gestern noch einen Grund mehr, sich am Sternmarsch zu beteiligen. Er sagte: „Den Randgemeinden geht es bei fortschreitendem Braunkohletagebau am dreckigsten.“ Angesichts des geplanten Tagebaues östlich der Neiße befürchtet Helm noch mehr Belastungen für einen schmalen Streifen entlang der Neiße.

Versprechen einhalten

Die Einhaltung der Versprechen der Landesregierung, dass nach der Abbaggerung Hornos am Taubendorfer Berg Schluss sei, mahnten einige Taubendorfer auf Transparenten an. Unter anderem war zu lesen: „Gestern Horno, heute wir, nicht mit uns!“ Der Kerkwitzer Ortsvorsteher Roland Lehmann sehe in der Demonstration ein Zeichen, dass die Kerkwitzer die Pläne Vattenfalls, den Tagebau Jänschwalde-Nord weiterzuführen, nicht mittragen. „Wir werden um unsere Dörfer kämpfen“, sagte Lehmann. Landschaft und Natur dürften nicht weiter zerstört werden. „Wir müssen uns bewusst sein, dass das Klima nicht durch Tagebaue und Kohlekraftwerke gerettet werden kann, wie man uns das immer glauben machen will. Wir brauchen keine neuen Tagebaue, wir brauchen unsere Heimat und unsere Dörfer. Keinem steht das Recht zu, uns davon zu vertreiben und unsere Lebensgrundlage aus profitträchtigen Gründen in gigantischem Ausmaß zu zerstören“, sagt Roland Lehmann zu den rund 450 Demonstranten.

Ähnlich argumentieren der Grabkoer Ortsteilbürgermeister Fred Wirth und sein Amtskollege aus Atterwasch, Uli Schulz. Wirth mahnte eindringlich, den Zusammenhalt der Menschen zu festigen, während Schulz großformatige Anzeigen von Vattenfall in den lokalen Medien kritisierte, die letztlich auch noch von den Bewohnern der bedrohten Dörfer mitfinanziert würden.

Solidarische Dörfer

Pfarrer Mathias Berndt von der evangelischen Kirchengemeinde Guben empfand es als eine Herzenssache, am Sternmarsch teilzunehmen. „Ich finde es erfreulich, dass so viele gekommen sind und sich viele aus den umliegenden Dörfern solidarisch zeigen. Es ist für mich ein Zeichen, dass immer mehr Menschen Hoffnung haben“, sagte Pfarrer Berndt. Für den Koordinator des Volksbegehrens „Keine Neuen Tagebaue – für eine zukunftsfähige Energiepolitik“ Falk Hermenau stand die Beteiligung am Volksbegehren im Mittelpunkt. „Das noch bis zum 2. Februar 2009 laufende Volksbegehren brauche dringend die Unterstützung aller Brandenburgerinnen und Brandenburger“, sagte Hermenau. Ein weiterer Sternmarsch sei schon in Vorbereitung, war vom Moderator der Demonstration Steffen Krautz zu erfahren.