Neues Initiativen/Protest

Spätestens seit Horno regt sich in der Lausitz Widerstand gegen die Braunkohlenförderung. Neues dazu hier.

Dörfer kämpfen weiter gegen Bedrohung

Lausitzer Rundschau, 02.01.2009

Region Auf Einladung der Bundestagsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen hat im Deutsch-Slawischen Kulturzentrum in Guben eine Podiumsdiskussion zum Thema „Energiezukunft ohne Braunkohle“ stattgefunden. Der Sprecher von Vattenfall Europe Mining and Generation, Reinhardt Hassa, und die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90 / Die Grünen im Bundestag, Bärbel Höhn, lieferten sich heiße Wortgefechte.

 

Franziska Keller, Landesvorsitzende der Grünen in Brandenburg, machte zu Beginn auf die drohende und bereits stattfindende Zerstörung der Lausitz durch die Braunkohlentagebaue aufmerksam und verurteilte dies scharf. Auf dem Podium saß neben Reinhardt Hassa die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90 / Die Grünen im Bundestag, Bärbel Höhn. Moderiert wurde die Veranstaltung vom Berliner Journalisten Johann Legner, der beide Gesprächspartner zunächst nach ihrer Energievision für das Jahr 2035 für die Lausitz befragte. Bärbel Höhn sagte, dass die Energieversorgung dann nahezu ausschließlich durch erneuerbare Energien gedeckt werde und dass die Kohletagebaue, die großflächig die Landschaft zerstören, der Vergangenheit angehören würden. Reinhardt Hassa betonte, dass es im Jahr 2035 neue Tagebaue geben und dass die Braunkohle noch immer notwendig für die Energieversorgung sein werde.

Das bestritt Bärbel Höhn und kritisierte heftig das starre Festhalten von Vattenfall an der klimaschädlichen Braunkohleverstromung. „Hier werden wichtige Zukunftsoptionen vergeben, wenn so einseitig an der Kohleförderung festgehalten wird, statt auf wirkliche Zukunftstechnologien wie Solarenergie und Windkraft zu setzen“, so die Grünen-Politikerin. Auf den Einwand eines Vattenfall-Mitarbeiters aus dem Publikum, dass die Kohlewirtschaft in der Lausitz wichtige Arbeitsplätze sichere, erwiderte Bärbel Höhn, dass gerade im Bereich erneuerbarer Energien zukunftsfähige Arbeitsplätze geschaffen würden und dass junge Menschen dort viel bessere berufliche Aussichten hätten. Reinhardt Hassa versicherte, dass auch Vattenfall vollständig auf Solarenergie und andere erneuerbare Energien umsteigen werde, wenn die Kohleförderung erschöpft sei. Bärbel Höhn warf dem Kozernsprecher vor, dass es Vattenfall scheinbar doch nur um Profit bei der Kohleausbeutung der Lausitz geht.

„Erst die ganze Landschaft zerstören und das Klima mit den Treibhausgasen schädigen, und dann, wenn keine Kohle mehr da ist, auf andere Energien umsteigen, statt das jetzt schon zu tun, das ist unfassbar“, sagte die Umweltexpertin aufgebracht. Reinhardt Hassa warf der Grünen-Politikerin vor, sie sei koalitionsunfähig. Am Ende zeigte die Veranstaltung, dass sich der Energiekonzern und die Grünen in ihren Positionen doch recht unversöhnlich gegenüberstehen. Vattenfall werde nicht freiwillig auf neue Tagebaue verzichten, so Hassa. Auch nicht aus Rücksicht auf die Menschen, die dadurch ihre Heimat verlieren werden. Und die Grünen werden weiter darum kämpfen, dass Energie zukünftig möglichst ohne Kohle und Atomkraft gewonnen wird, versicherte Höhn. Im Publikum saß Pfarrer Matthias Berndt aus dem bedrohten Dorf Atterwasch.

Für ihn sei es unbegreiflich, dass „für die Profitgier eines Energiekonzerns ganze Dörfer geopfert werden sollen“. Er werde um die bedrohten Dörfer kämpfen und um seine Kirche, die eine der ältesten in ganz Ostdeutschland ist. Die Menschen in Kerkwitz, Atterwasch und Grabko wollen auf jeden Fall, dass ihre Dörfer erhalten bleiben und nicht dem Kohlebagger zum Opfer fallen.