Neues Initiativen/Protest

Spätestens seit Horno regt sich in der Lausitz Widerstand gegen die Braunkohlenförderung. Neues dazu hier.

Lausitzer Rundschau, 15.10.2007


Unterschriften-Aktion in Finsterwalde und Klingmühl / Verein gegründet


Widerstand gegen Tagebau


«Mir ist es einfach ein Bedürfnis, die Volksinitiative gegen neue Tagebaue mit meiner Unterschrift zu unterstützen» , sagt Michael Zech aus Finsterwalde. Meine Vorfahren stammen aus Bergheide. «Und dieser Ort ist ja komplett der Kohle zum Opfer gefallen. Es ist furchtbar, wenn von der heimatlichen Erde einfach gar nichts mehr da ist, kein Baum, kein Stein der Erinnerung, nichts.»

Die Landtagsabgeordnete Carolin Steinmetzer-Mann (Die Linke) reicht den Bürgern in Finsterwalde und Klingmühl, die mit der Energiepolitik der Brandenburg-Regierung nicht einverstanden sind, den Stift. Mit ihrer Unterschrift sollen sie ihren Protest dokumentieren.

Die Politikerin ist eine der Mitinitiatorinnen der Volksinitiative «Keine neuen Tagebaue» . Und die umweltpolitische Sprecherin ihrer Fraktion hat Gleichgesinnte getroffen. «Ich habe gemerkt, das Thema bewegt die Menschen. Die Aktion ist auf fruchtbaren Boden gefallen» , so Steinmetzer-Mann am Wochenende gegenüber der RUNDSCHAU. «Die Leute sind gezielt auf mich zugekommen. Sie hatten klare Vorstellungen, aber auch noch viele Fragen, was bei der Komplexität des Themas nicht verwunderlich ist.»

Mehr als 50 Unterschriften in drei Stunden auf dem Finsterwalder Markt stimmen sie wohl nicht so zufrieden. In Klingmühl, einem der von der jüngsten Braunkohlestudie offensichtlich erneut bedrohten Orte, sind es weitaus mehr. Viele, die ihre Unterschrift leisten wollten, waren auch aus umliegenden Gemeinden gekommen. Selbst Unterschriften aus Calau, Vetschau und Altdöbern finden sich auf den Listen.

Einer der sich als erster in Klingmühl einträgt, ist Dr. Klaus-Dieter Zeising, der 1997 ins Dorf zog und sich seither für die Belange des Ortes stark macht. «Ich bin nicht gegen die Kohle in dem Sinne, ich bin aber ganz eindeutig gegen die Liquidierung von Ortschaften und Umsiedlung von Menschen. Auch wenn der Kelch scheinbar an uns noch einmal vorüber gegangen ist, ist noch nicht alles endgültig geklärt und irgendwie will man uns vielleicht nur vertrösten. Deshalb stehe ich heute hier, und deshalb unterstütze ich die Volksinitiative» , sagt er.

Worte seien schnell gesagt, eine Unterschrift unter eine Sache sei schnell getätigt. Zeising und Gleichgesinnte wollen aber Taten folgen lassen, noch mehr Druck ausüben und sich vor allem mit den von der Abbaggerung bedrohten Dörfern im Lausitzer Revier solidarisieren, erklären die Menschen. «Aus diesem Grunde haben wir in der vergangenen Woche auch einen Verein gegründet, der sich dieser Sache widmet» , erklärt Zeißing. «Unser Verein nennt sich Sallgaster Bürgerinitiative, am vergangenen Dienstag haben wir die letzten Hürden der Vereingründung genommen und nehmen jetzt offiziell unsere Arbeit auf.» Zehn Mitglieder seien es bis jetzt. Doch der Klingmühler geht von einem schnellen Wachstum aus. «Wer Interesse hat mitzumachen, kann sich bei mir in Klingmühl (Telefon: 03531 63375). Wir sind froh über jeden Mitstreiter.» Ziel des Vereins ist, so ist in der Präambel zu lesen: «Keine neuen Tagebaue unter dem Aspekt des Klimawandels und uneingeschränkte Solidarität mit von der Abbaggerung bedrohten Gemeinden.»

Weitere Informationen:
http://www.keine-neuen-tagebaue.de

Von Torsten Pötzsch