Neues Initiativen/Protest

Spätestens seit Horno regt sich in der Lausitz Widerstand gegen die Braunkohlenförderung. Neues dazu hier.

Lausitzer Rundschau, 16.10.2007

Für Vattenfall ist Verlust kein Bergschaden /Gemeinde bleibt dran


Waldsee Groß Düben verliert sein Wasser


Schon im vorigen Jahr hatte Groß Dübens Bürgermeister so eine Ahnung, dass mit dem Waldsee irgendwas nicht stimmen kann. «Der Wasserstand nahm ab» , erinnert sich Helmut Krautz. In diesem Sommer war es nicht mehr zu übersehen. Groß Düben meldete bei Vattenfall einen Bergschaden an.

Das war im September. In der jüngsten Ratssitzung lag die Antwort des Energiekonzerns bereits vor. Es sei kein Bergschaden. «Vattenfall hat als Ursache das Niederschlagsdefizit in den letzten zehn Jahren ausgemacht. Dieses sei schuld daran, dass sich der Wasserstand bis zu einem Meter verringert hat» , berichtete Helmut Krautz. Das würde auch mit den vorgenommenen Pegelmessungen übereinstimmen. «Ich kann das nicht nachvollziehen. Denn trotz des vielen Regens und der doch wenigen Sonne in diesem Jahr geht das Wasser weiter ab.»

Der Groß Dübener will deshalb nicht gleich klein beigegeben und hat deshalb noch einmal um einen Vor-Ort-Termin mit Vattenfall gebeten.

Im gleichen Atemzug sprach Krautz von einer Bitte des Bergbaubetreibers. «Wer einen Hausbrunnen hat, sollte sich bereiterklären, dass in diesem Messungen durchgeführt werden können.» Nur so lasse sich nachweisen, dass das Grundwasser möglicherweise durch den Tagebau Nochten auch in Groß Düben sinkt. «Bei mir ist der Wasserstand rund 80 Zentimeter tiefer als früher» , so der Gemeindechef.

Vor etwa einem Jahr war mit Vattenfall vereinbart worden, dass neben Schleife und Trebendorf auch Groß Düben beim vereinbarten Grundwassermonitoring einbezogen werde. Es gehe darum zu beobachten, was hinter der Linie des Muskauer Faltenbogens in Sachen Grundwasserentzug passiere.

Bisher werde argumentiert, dass der Faltenbogen als natürliches Sperrschild Grundwasserabsenkungen verhindere. Es werde immer wieder gesagt, dass dadurch zum Beispiel auch der Halbendorfer See vor Wasserverlusten geschützt sei.

«Aber wer sagt uns, ob das tatsächlich so ist?» , fragt sich Helmut Krautz.
Und nicht nur er. Auch der Regionale Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien. Denn dieser hatte im März nicht wie geplant, den Aufstellungsbeschluss für einen Braunkohlenplan für das Vorranggebiet vom Tagebau Nochten gefasst. Die bis dahin vorliegenden Informationen zu den zu erwartenden Lärmbelästigungen und Grundwasserabsenkungen seien nicht ausreichend gewesen. „Wir wollen von Vattenfall, dem Bergbaubetreiber, belastbare Fakten“, hatte damals Peter Heinrich, Chef der Planungsstelle des Verbandes, hingewiesen. „Wir wollen, dass die Auswirkungen dieser geologischen Besonderheit Muskauer Faltenbogen auf das Grundwasser genau geprüft werden“, hieß es im Februar. Vattenfall sei daraufhin Zeit bis zum August eingeräumt worden, um die entsprechenden Fakten auf den Tisch zu legen. In der kommenden Woche wollen sich Braunkohlenausschuss und Verbandsversammlung, so die gegenwärtige Information, damit befassen.

 

Zum Thema Monitoring

Auf Drängen der Gemeinden Trebendorf und Schleife hat Vattenfall die G.U.B. Ingenieurgesellschaften im vergangenen Jahr mit einem Grundwassermonitoring beauftragt. Insgesamt gibt es im untersuchten Bereich der Gemeinden Trebendorf und Schleife 820 Grundwasser-Messstellen . Die ersten Ergebnisse wurden im März präsentiert. Daraufhin sollte das Monitoring 2007 nach Norden ausgedehnt werden.

"Monitoring" ist ein Überbegriff für alle Arten der systematischen Erfassung, Beobachtung oder Überwachung eines Vorganges oder Prozesses und gilt als eine in die Zukunft gerichtete Langzeitbeobachtung.

Von Gabi Nitsche