Neues Initiativen/Protest

Spätestens seit Horno regt sich in der Lausitz Widerstand gegen die Braunkohlenförderung. Neues dazu hier.

Lausitzer Rundschau, Regionalausgabe Guben, 09.10.2007

Der Tagebau vernichtet Arbeitsplätze

Steffen Schulz aus Kerkwitz schreibt zu den Plänen von Vattenfall, die unter anderem vorsehen, dass auch sein Heimatort dem Tagebau zum Opfer fallen wird, folgendes:

"Nachdem die Abteilungen für Öffentlichkeitsarbeit des Vattenfall-Konzerns in den letzten Tagen ihr Bild in der Öffentlichkeit kräftig aufpolierten, sollte sich jeder Gedanken machen, wer Vattenfall überhaupt ist und was der Konzern will.

Vattenfall ist eine ausländische Aktiengesellschaft und hat bei uns nur ein Ziel: Geld verdienen. Dabei versucht sie sich jetzt, wo ihr der Wind ins Gesicht bläst, als Retter der Region auszugeben. Ist denn die Lausitz nichts weiter als der Kohlenkeller der Nation« Für Vattenfall wohl schon.

Ich bin Einwohner von Kerkwitz und damit von der drohenden Abbaggerung direkt betroffen.

Als regionaler Unternehmer im baunahen Gewerbe, der fast ausschließlich für Privatkunden arbeitet, habe ich ein weiteres Problem. Mir gingen abrupt mit Vattenfalls Absichtserklärung Aufträge verloren. Wie oft habe ich in den letzten Tagen von Kerkwitzer und Atterwascher Kunden sinngemäß den Satz gehört «Ich lasse die Investition, vielleicht werden wir ja doch abgebaggert.» In Guben wurde mir schon gesagt «Ich stecke kein Geld mehr in mein Haus, sondern sehe zu, dass ich es los werde und ziehe hier weg. Hier gibt es keine Perspektive mehr.»

Mir sind damit mit einem Schlag hunderte potenzieller Kunden verlorengegangen. Und das geht auch anderen regionalen Unternehmen so.

Was wird denn aus dem Tourismus, der sich in unserer Region gerade erst zu entwickeln begann» Nicht nur der Deulowitzer See wird verschwinden, die Folgen von Grundwasserabsenkung, Tagebaulärm und -staub werden für die gesamte Region katastrophal sein. Alle bisherigen Bemühungen waren mit einem Schlag umsonst. Wird es hier noch lebenswert sein« Was für ein schwacher Trost, dass hier in 50 bis 100 Jahren künstliche Landschaften und Erholungsgebiete entstehen sollen.

Wir bemühen uns im Kleinen um Umwelt- und Naturschutz, und so ein Konzern darf mit Wohlwollen und Genehmigung der Landesregierung alles niederwalzen, um anschließend die Umwelt mit CO 2 zu verpesten. CO 2 -Verklappung im Erdreich- Keiner weiß, ob es funktionieren wird. Aber geworben wird mit dieser noch nicht existierenden Technologie, als ob sie schon da wäre. Haben wir mit der Endlagerung von Atommüll den nachfolgenden Generationen nicht schon genug Probleme hinterlassen?

Seit Horno hat sich viel verändert. Es gibt umweltfreundliche Alternativen zur Energieerzeugung, und die schaffen Arbeitsplätze. Ein Blick nach Frankfurt (Oder) oder ins europäische Ausland genügt. Es wird wohl niemand ernsthaft daran glauben, dass ein neuer Tagebau auch neue Arbeitsplätze schafft."

Wir brauchen keine neuen Tagebaue! Ich werde um meine Heimat kämpfen. Ich werde nicht zulassen, dass Natur und Heimat den Interessen eines Großkonzerns geopfert werden. Darum werde ich die Volksinitiative «Keine neuen Braunkohletagebaue – für eine zukunftsfähige Energiepolitik» aktiv unterstützen.