Neues Initiativen/Protest

Spätestens seit Horno regt sich in der Lausitz Widerstand gegen die Braunkohlenförderung. Neues dazu hier.

Lausitzer Rundschau, 02.10.2007

Greenpeace demonstriert gegen Kraftwerksbau

Protest in Boxberg

 

Boxberg. Aus Protest gegen einen neuen Block im Braunkohlekraftwerk Boxberg (Niederschlesischer Oberlausitzkreis) halten Greenpeace-Aktivisten seit Montagmorgen mehrere Kräne auf dem Baustellengelände besetzt. Ein Ende der Aktion war bis zum späten Nachmittag nicht abzusehen.

Nach Angaben von Greenpeace sind insgesamt 36 Kletterer mit Hängematten und Verpflegung „vom Müsliriegel bis zur Wasserflasche“ für einen mehrtägigen Verbleib auf den Kränen gerüstet. Aus Sicht der Umweltschutzorganisation würde eine Inbetriebnahme des im Bau befindlichen Blocks R gegen geltendes Recht verstoßen. Kraftwerksbetreiber Vattenfall reagierte mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruchs auf den Vorfall.

Laut Greenpeace-Sprecher Jan Haase handelt es sich bei den Kletterern um Umweltschützer aus Polen, der Schweiz, Ungarn, der Slowakei, Dänemark und Deutschland. Sie seien gegen 4.00 Uhr auf sieben Kräne der Baustelle gestiegen. Anschließend befestigten sie mehrere Flaggen mit dem Aufdruck „Stopp CO2“ sowie ein Transparent mit dem Slogan „Vattenfall: Baustopp! Klimaschutz statt Braunkohle“. Laut Greenpeace wird der Block R des Braunkohlekraftwerks Boxberg jährlich 4,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid ausstoßen, dies sei genau so viel wie der mittelamerikanische Staat Costa Rica.

Ein Sprecher von Vattenfall sprach von fünf besetzten Kränen. Das Unternehmen habe Anzeige wegen Hausfriedensbruchs erstattet. Greenpeace solle die sicherheitsgefährdende Aktion aus freien Stücken beenden, forderte Vattenfall. Zugleich verwies der Konzern auf die Genehmigung des Baus durch das Regierungspräsidium Dresden vom 20. Dezember 2006. Greenpeace habe zuvor die Möglichkeit verstreichen lassen, Einwände in das Verfahren einzubringen. Umso überraschter sei man über die Protestaktion, sagte Vattenfall-Sprecher Marco Bayer.

Haase verwies hingegen auf einen Antrag auf Baustopp und Widerruf der Betriebsgenehmigung, den Greenpeace beim Regierungspräsidium am Freitag eingereicht habe. Dabei stützt sich die Umweltschutzorganisation nach eigenen Angaben auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die zunehmende Geschwindigkeit des Klimawandels. So seien die Voraussetzungen für die Ende 2006 erteilte Genehmigung nicht mehr gegeben. Der Öffentlichkeit liegen die neuen Fakten mit den jüngsten Erkenntnissen des UN-Weltklimarates IPCC seit dem Frühjahr 2007 vor.

Nach Angaben von Greenpeace sind insgesamt 36 Kletterer mit Hängematten und Verpflegung „vom Müsliriegel bis zur Wasserflasche“ für einen mehrtägigen Verbleib auf den Kränen gerüstet.

Der Energiekonzern Vattenfall Europe AG hatte im Frühjahr den Grundstein für seinen vierten Kraftwerksblock in Boxberg gelegt. Dieser soll ab 2010 Strom auf Basis von Braunkohle erzeugen. In den Neubau investiert das Unternehmen nach eigenen Angaben 800 Millionen Euro. Zur Versorgung mit Brennstoff soll der seit 1999 ruhende Tagebau Reichwalde in drei Jahren wieder Braunkohle fördern. Im Tagebau und in der neuen Anlage werden laut Vattenfall insgesamt 100 dauerhafte Arbeitsplätze entstehen. Auf der Baustelle seien derzeit etwa 300 Menschen beschäftigt.

Sachsens Grüne im Landtag begrüßten die Greenpeace-Aktion. Ihr energiepolitischer Sprecher Johannes Lichdi sagte, der Neubau in Boxberg widerspreche der Klimapolitik der Bundesregierung. Er nannte es deshalb begrüßenswert, dass Greenpeace diesen Skandal mit der Aktion an die Öffentlichkeit bringe.

 

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