Neues Initiativen/Protest

Spätestens seit Horno regt sich in der Lausitz Widerstand gegen die Braunkohlenförderung. Neues dazu hier.

Lausitzer Rundschau18.09.2007

 

Umfrage: „Die Heimat will sich keiner wegnehmen lassen"


Horst Richter gibt sich kämpferisch: „Ich gehe hier nicht weg“, sagt der Landwirt aus Atterwasch bei Guben (Spree-Neiße). „Da müssten sie mich schon aus meinem Haus tragen“, fügt der 67-Jährige am Dienstag verbittert hinzu. Er hat am selben Tag von den Plänen des Energieriesen Vattenfall Europe gehört, drei neue Tagebaue in der Niederlausitz zu erschließen: Bagenz-Ost, Spremberg-Ost und Jänschwalde-Nord.

 


Doch nur die Bewohner von Atterwasch sowie den benachbarten Orten Grabko und Kerkwitz sollen vor den Baggern der künftigen Grube Jänschwalde-Nord umgesiedelt werden, die nahtlos an den bestehenden Tagebau Jänschwalde anschließen soll.

In den drei Orten, die wenige Kilometer vom Großkraftwerk Jänschwalde entfernt liegen, wären ungefähr 900 Menschen betroffen. Einige von ihnen besitzen wie Richter neben ihrem Eigenheim auch Ackerland, Wiesen oder Wald – und das seit vielen Generationen. Kindergarten oder Schule gibt es in den drei Dörfern, die zur Gemeinde Schenkendöbern gehören, schon lange nicht mehr. Dort wohnen meist ältere Menschen, und viele junge Leute sind weggezogen.


Ebenso wie Richter hatte es auch Manfred Brilke aus Atterwasch schon immer geahnt, dass der bereits zu DDR-Zeiten geplante, aber dann zunächst nicht realisierte Tagebau Jänschwalde-Nord eines Tages kommt. Doch der 54-Jährige sieht keine Chancen, sich gegen die Kohlebagger zu wehren. „Das wird von oben beschlossen, da kann man sowieso nichts machen“, meint der Landwirt resigniert. „Wir werden uns damit abfinden müssen.“


Einige Betroffene wie Christian Wendt aus Grabko trösten sich damit, dass noch etwa 20 Jahre vergehen werden, bis die Bagger anrücken und die Einwohner ihre Sachen packen müssen. „Die Abbaggerung wäre trotzdem schlimm, denn wir sind 1996 aus Guben extra hierher gezogen, um Ruhe zu finden und mehr Wohnraum für unsere Kinder zu haben.“ Wendt hält die Kohle für zu wertvoll, um sie zur Stromerzeugung zu verbrennen, und setzt eher auf Kernenergie.


Auch Gudrun Naumann aus Grabko wollte in dem beschaulichen Dorf mit ihrem Mann alt werden. „Wir haben uns hier 1989 ein neues Haus gebaut und wollten darin unseren Lebensabend verbringen“, erzählt die 56-Jährige traurig. „Für uns stürzt eine Welt ein, aber wir können wohl nichts daran ändern.“


Von den drei Dörfern ist Kerkwitz mit mehr als 500 Einwohnern das größte. Viele schöne Häuser stehen an den ordentlich asphaltierten Straßen, und der Dorfkrug ist regelmäßig geöffnet. Gisela Wehland betreibt ihn mit ihrem Mann schon seit 49 Jahren und kennt die Stimmung im Dorf wohl am besten. „Hier sind alle erschrocken über die Abbaggerungspläne, die ja schon seit Mai mit der Studie der Universität Clausthal kursierten“, berichtet die 70-Jährige. „Die Heimat will sich keiner wegnehmen lassen.“


Doch die Erinnerung an die Gemeinde Horno (Spree-Neiße), das nach jahrelangem Kampf den Kohlebaggern unterlag, ist noch ganz frisch. „So einen Nervenkrieg wie in Horno wollen wir hier nicht erleben“, meint Wehland und fügt hinzu: „Aber das werden ich und mein Mann sowieso nicht mehr erleben.“