Neues Initiativen/Protest

Spätestens seit Horno regt sich in der Lausitz Widerstand gegen die Braunkohlenförderung. Neues dazu hier.

Lausitzer Rundschau, 25.09.2007


Aktion soll Widerstand stärken

 

Bergbaugemeinden pflanzen Lakoma-Eichen


Atterwasch.  Von Atterwasch bis Sallgast sind am Wochenende kleine Eichen aus Lakoma gepflanzt worden. Die am Samstag im Lakomaer Teichgebiet ausgegrabenen Bäume sollen zu Symbolen des Widerstandes gegen die Abbaggerung weiterer Orte durch die nahenden Braunkohlentagebaue heranwachsen.

Vertreter früher, heute oder künftig vom Bergbau betroffener Kommunen und Kirchengemeinden nahmen die jungen Eichen in Lakoma entgegen.


Zeichen der Solidarität

«Ihr sollt mit dafür sorgen, dass das Schicksal von Lakoma anderen Lausitzer Gemeinden erspart bleibt» , sagte Pfarrer Mathias Berndt aus Atterwasch, nachdem er mit dem Spaten eine kleine Stieleiche ausgegraben hatte. «Die Bäume sollen ein Zeichen der Solidarität für die Dörfer Atterwasch, Kerkwitz und Grabko darstellen, die durch die jüngsten Tagebaupläne bedroht sind.» Alle drei Orte gehören zum Pfarrsprengel von Mathias Berndt. In Atterwasch und Kerkwitz werden die jungen Bäume nahe der Kirche gepflanzt. Für Grabko, wo es kein Gotteshaus gibt, will der Pfarrer noch einen würdigen Platz finden.

Das Einpflanzen der Eichen werde die bereits angelaufenen Diskussionen in den Orten und in den Kirchengemeinden weiter fördern, ist sich der Pfarrer sicher. «Wie im Kriegszustand fühlen sich viele Bürger, denn Häuser sprengen und ganze Dörfer dem Erdboden gleichmachen wird üblicherweise bestraft. Bei unseren Orten soll das Vattenfall erlaubt werden.»

Derzeit ist die Stimmung in den Orten aber nicht einheitlich, räumt der Seelsorger ein. «Viele Menschen sind wütend und verzweifelt, wollen kämpfen. Widerstand wollen auch die Kirchengemeinden leisten. Es gibt jedoch auch Resignierende, die meinen, alles sei schon gelaufen. Andere, die ohnehin die Orte verlassen wollen, um der Arbeit zu folgen, sehen Chancen, ihre Häuser loszuschlagen. Besonders hart ist die Situation für die älteren Bürger, die nicht wegziehen wollen, keine neue Heimat mehr finden würden.» Ein ganzes Stück werden die Eichen an den neuen Standorten wachsen, ist sich der Pfarrer sicher. «Der Kampf um den Erhalt unserer Dörfer wird viele Jahre dauern, und das Wachsen der Bäume wird uns dafür Kraft geben» , so Berndt.


Sinnvoll mit Energie umgehen

«Was in Lakoma bevorsteht, darf sich nirgendwo in der Lausitz mehr wiederholen. Wir wollen deshalb ein Zeichen dafür setzen, dass keine weiteren Orte und Landschaften durch den Braunkohlenbergbau zerstört werden» , sagt Norbert Wilke, Landesgeschäftsführer der Grünen Liga. «Die Bäume sollen an den neuen Orten Hunderte Jahre alt werden, während die Menschen sinnvoll mit Energie umzugehen lernen. Wegen der Inanspruchnahme der Lakomaer Teiche durch Vattenfall in den nächsten Wochen haben die Eichen am angestammten Ort keine Lebenschance.»


Ronald Ufer