Neues von Vattenfall

Lausitzer Rundschau, 06.01.2009

Industrie will Klimaschutz mit Braunkohle

„Ihre Unterschrift zählt.“ In den vergangenen Monaten stieß man auf vielen Internet-Portalen auf die Bitte, den Klimawandel aktiv mit seinem Namen zu unterstützen. Für die Bewohner der Lausitz schien dies zunächst etwas verwirrend: Der Initiator dieser Aktion war nicht etwa das brandenburgische Volksbegehren gegen neue Tagebaue, sondern ausgerechnet der schwedische Energiekonzern Vattenfall.

Doch was auf den ersten Blick aussah, wie ein mehr oder weniger geschickter Schachzug der Öffentlichkeitsarbeit des Stromriesen, zeigt in Wahrheit nur, wie komplex die Problematik der Erderwärmung weltweit wahrgenommen wird. Markus Füller, Vattenfallsprecher der Repräsentanz Cottbus: „Wir sind uns wohl alle darüber einig, dass der Klimawandel die ernsthafteste Herausforderung unserer Zeit ist. Im Vorfeld des Klimagipfels im polnischen Poznan hatte unser schwedischer Aufsichtsrats-Vorsitzender Lars G. Josefsson die Unterschriftenaktion ins Leben gerufen – lange bevor die Lausitzer Initiative bekannt wurde.“

Auch nach dem Gipfel läuft die bei Umweltschützern umstrittene Aktion des schwedischen Staatskonzerns weiter – bis heute haben europaweit 230 000 Menschen die Erklärung unterzeichnet, die einen weltweit einheitlichen Preis für die Belastung mit CO–Emissionen und die Förderung klimafreundlicher Technologien fordert.

Was auch beinhaltet, dass der richtige Weg zu mehr Klimaschutz für Vattenfall nicht ohne eine klimafreundliche Nutzung der Braunkohle denkbar ist. Markus Füller: „Es ist nicht die Frage, ob wir weltweit in diesem Jahrhundert Kohle nutzen – die Frage ist nur, wie wir das tun.“ Von globaler Bedeutung sei die Nutzung der klimafreundlichen CCS-Technologie. Und die wiederum ist für die Vertreter von Vattenfall zurzeit untrennbar mit der Region – und dem Ausgang des Volksentscheids – verbunden. Denn während die Vertreter der Bürgerinitiativen davon ausgehen, dass die derzeit genehmigten Tagebaue bis Mitte der 30er-Jahre reichen und die brandenburgischen Linken gar von einem „sozialverträglichen Ausstieg aus der Kohle bis 2050“ sprechen, rechnen die Vattenfall-Ingenieure vor, dass die Kohle ohne die neuen Tagebaue nur bis Mitte der 20er-Jahre reicht. Markus Füller: „Betriebswirtschaftlich hat eine Förderung sonst keinen Sinn.“ Einzelne Kraftwerksblöcke vom Netz zu nehmen und weniger Kohle zu fördern, würde unternehmerisch wenig sinnvoll sein.

Zudem bliebe die Frage, welche Konsequenzen Vattenfall zieht, wenn das Volksbegehren Erfolg hat und keine neuen Tagebaue in Brandenburg genehmigt werden. Dazu Markus Füller: „Wir wollen kein Drohszenario aufbauen. Aber Vattenfall wäre in der Region ab sofort ein Unternehmen ohne Perspektive.“ Auswirkungen auf Investitionen und Ausbildungsplätze seien sicher, auch die Standortfrage bezüglich der CCS-Technologie würden neu gestellt. „Und damit“, so Füller, „würde der Klimaschutzstrategie als Ganzem kein Gefallen getan.“