Lausitzer Rundschau, 20.09.2009

Ehemaliges Tzschelln wäre jetzt 555 Jahre

 

Am 11.Oktober, einem Samstag, findet um 15 Uhr ein weiteres Heimattreffen der Bürger des früheren Dorfes Tzschelln im Kindererholungszentrum (KiEZ) am Weißwasseraner Braunsteich statt. Darauf macht Dieter Pannach, selbst ein ehemaliger Tzschellner, der in Boxberg wohnt, die RUNDSCHAU aufmerksam. Bei Pannach liefen alle Teilnahmemeldungen für das Treffen zusammen. Er gehört dem Vorstand des erst kürzlich neu gegründeten Heimatvereins für den abgebaggerten Ort an. „Ich kann berichten, dass sich nach der letzten Veröffentlichung in der RUNDSCHAU rund 120 Personen bei mir gemeldet haben. Es sind ehemalige Tzschellner, die erklärten, entweder beim Heimattreffen dabei zu sein oder in unserem Verein Mitglied werden wollen. Über diese große Resonanz, die ich nicht erwartet hätte, freue ich mich sehr“, meinte Dieter Pannach. Das um so mehr, weil auf den ersten Aufruf des Vereins zur Mitarbeit lediglich fünf ehemalige Bürger des früheren Ortes reagiert hatten (die RUNDSCHAU berichtete).

Pannach und die anderen im Vorstand sehen sich darin bestärkt, dass sich ihre immense Arbeit zur Gründung des Vereins und zur Vorbereitung des Heimattreffens gelohnt hat.

Damit wird die Veranstaltung am 11.Oktober erstmalig unter der Regie der organisierten Heimatfreunde stehen. Das Treffen zeichnet noch eine weitere Besonderheit aus: 1453 wurde laut Pannach Tzschelln erstmals urkundlich erwähnt. Damit hätte das Dorf 2008 sein 555-jähriges Bestehen feiern können. Hätte, denn es sollte anders kommen. 1976 mussten die 273 Bürger ihren Heimatort wegen der Kohle verlassen. Die Bagger standen buchstäblich vor der Tür. Der 16.Juli 1978 wird für die Tzschellner in besonders trauriger Erinnerung bleiben. Die Kirche wurde gesprengt. Das Zynische an diesem Datum – der 16.Juli fiel auf einen Sonntag.

So wird das Heimattreffen, wie Dieter Pannach betont, vor allem dem stillen Gedenken an das kleine Dorf gewidmet sein, das 2008 sicher mit einem großen Fest seinen 555. Geburtstag gefeiert hätte – wenn es nicht von der Landkarte verschwunden wäre.