Lausitzer Rundschau, 26.09.2008

Archiv in Horno ist komplett

 

Der Braunkohletagebau tilgt Lausitzer Dörfer und gefährdet so auch Kultur und Sprache der Sorben und Wenden. Gestern ist daher ein deutschlandweit einzigartiges Sprachlabor für diese Sprache im Archiv verschwundener Orte in Horno offiziell eröffnet worden. Mit dem Beitrag der Domowina ist das Archiv der Stiftung Horno komplett. 30 000 Euro hat Vattenfall-Projektleiter Bernhard Mosler zufolge das Unternehmen dafür bezahlt.

Am Donnerstag ist daher ein deutschlandweit einzigartiges Sprachlabor für diese Sprache im Archiv verschwundener Orte in Horno offiziell eröffnet worden. Mit dem Beitrag der Domowina ist das Archiv der Stiftung Horno komplett. 30 000 Euro hat Vattenfall-Projektleiter Bernhard Mosler zufolge das Unternehmen dafür bezahlt.

"Das Sprachlabor ist später entstanden, weil es zunächst nicht zu bewältigen war", sagt Ortsbürgermeister Bernd Siegert. "Damit wollen wir erreichen, dass sich die Besucher mit der sorbischen und wendischen Sprache vertraut machen können, zeigen, welche Vielfalt diese hat und das Interesse wecken, sie zu lernen." Die Domowina habe darum gekämpft, so Siegert. Viele sorbische und wendische Dörfer hätten dem Bergbau weichen müssen, deren Kultur die Mehrheit des Dorfes und jetzigen Forster Ortsteils Horno/ Rogow nahe sei. Vor allem junge Leute sollten mit dem Sprachlabor, das über zwei Monitore auch Karten, Film- und Fotomaterial liefert, die Gelegenheit haben, den Stolz auf diese Minderheitensprache zu verstehen, so Siegert: "Wir wollen zeigen, dass das nicht plakativ ist."

Projektleiter Harald Konzack, Jutta Kaiser, Horst Adam und Gerhard Nagora haben zwei Jahre lang den Inhalt erarbeitet. Mitglieder der Berliner Künstlergruppe Club Real, die über die Architekten der Ausstellung engagiert worden waren, haben die deutschen Texte eingesprochen. Für Marianne Sonneck, die gestern mitfeierte, ein ungewöhnliches Projekt. Obwohl sie die sorbische Sprache nicht verstehe, klinge diese "sehr, sehr schön". Das sorbisch/ wendische Material stammt laut Konzack von Muttersprachlern. "Wir haben dafür im Archiv der sorbischen Redaktion des RBB gesucht." Aus dem sorbischen Institut in Bautzen stammen beispielsweise Originaltöne der Dichterin Mina Witkojc aus den 60er-Jahren. Das Mosaik lebender und verstorbener Muttersprachler reicht von den 1920er-Jahren bis heute, zeichnet die Entwicklung der Sprache nach. "Es sollte keine halbe Sache werden", so Konzack. Dargestellt würden Geschichte, Ausbildung, Ursprung und Anwendung der Sprache in allen gesellschaftlichen Bereichen. Drei Stunden dauere der Ausflug. Geplant sei auch eine Sprach-CD, so Konzack.

"Nicht absolut neu" seien die Informationen, sagt Autor Horst Adam, und doch mit technischen Mitteln in vielen Details zu einem neuen, kompakten Gesamtbild über Situation und Zukunft der Sprache zusammengetragen. Drei Schulgruppen haben nach Angaben von Dörthe Stein vom Archiv das seit sechs Wochen installierte Sprachlabor schon mit großem Interesse genutzt. Seit der Eröffnung des Archivs im Oktober 2006 hatte es ihr zufolge 2700 internationale Besucher.